Report: Syrer in Deutschland gespalten

Der Riss durch das syrische Volk zieht sich bis nach Deutschland. Anhänger der syrischen Opposition und des Machthabers Baschar al-Assad stehen sich gegenüber, scheinbar unversöhnlich, gerade jetzt vor dem drohenden Militärschlag der USA.

«Letztendlich sind wir in einer Situation, wo das Leid der Syrer beendet werden muss», meint Sadiq al-Musslie. Der Zahnarzt aus Hamburg ist Mitglied im Syrischen Nationalrat, einem Oppositionsbündnis in und außerhalb Syriens.

Al-Musslie hat keinen Zweifel, dass es diesen Giftgasangriff gegen das syrische Volk gegeben hat, der jetzt zu einer Strafaktion der USA und Großbritanniens führen kann. Auch nicht, dass der Befehl dazu von Machthaber Assad kam. Dafür braucht Musslie keine Beweise. Handeln, selbst wenn nicht klar ist, was danach kommt, lautet seine Devise. Wenn Assad «weg» sei, habe das Land eine Chance.

Auch Salem El-Hamid ist sich ganz sicher - nur hat er eine gegenteilige Meinung: «Assad würde sich nie trauen, so etwas zu machen. Das weiß ich. Der Anschlag wurde inszeniert», sagt der Generalsekretär der Deutsch-Syrischen Gesellschaft: «Wer kann denn schon ausschließen, dass eine dieser vielen Gruppierungen den Angriff inszeniert hat?» Ein Angriff der USA wäre für ihn eine menschliche Katastrophe, ein Verbrechen.

El-Hamid bangt um das Leben seiner beiden Brüder in Damaskus, die zwei Kilometer vom Präsidenten-Palast entfernt leben. «Die sind schutzlos ausgeliefert. Ich habe meinem Bruder gesagt, er soll beten, dass Gott ihn schützt, mehr kann ich nicht machen.»

Der Riss geht quer durch die etwa 45 000 in Deutschland lebenden Syrer, er spaltet Freunde und Familien. Saladin Maktabi weiß, wie das ist. Der gebürtige Syrer lebt seit 35 Jahren in Deutschland, arbeitet in Bamberg. Sein Schwiegersohn ist Gegner des Assad-Regimes. Maktabi diskutiert oft mit ihm. «Da wird es manchmal lauter», sagt er.

Syrien brauche Reformen. «Aber nicht mit diesen Methoden. Nicht mit Krieg - nicht von der Opposition, nicht von der Regierung und nicht von den Fremden», sagt er mit Blick auf die USA. Alle Parteien müssten sich an einen Tisch setzen und nach einer Lösung suchen. «Der Terror muss ausgetrocknet werden.»

Maktabi ist Mitglied des deutsch-syrischen Vereins in Bayern. Es gibt neun weitere Landesverbände in anderen Bundesländern. Früher trafen sich die Mitglieder regelmäßig. Aber irgendwann waren die Fronten so verhärtet, dass die Treffen keinen Sinn mehr machten.

Bis auf Bayern hätten alle Verbände ihre Arbeit auf Eis gelegt, sagt der Vorsitzende des Bundesverbands, Tarek Abdin-Bey. «Die Aktivitäten sind eingeschlafen, weil man keine Freundschaften zerbrechen lassen wollte», berichtet er. In einigen Landesverbänden sei versucht worden, einen gemeinsamen politischen Nenner zu finden. Irgendwann hätten sie dies aber aufgegeben.

Der Bundesverband bezieht Position gegen Präsident Assad. «In dem Moment, wo Leute ums Leben kommen, weil ein Regierender es so haben will, kann man nicht mehr neutral sein», meint Abdin-Bey. Er lebt seit 50 Jahren in Deutschland. Gemischte Gefühle hätten viele Syrer in Deutschland, ob sie nun pro oder kontra zum Regime in Damaskus eingestellt seien. Als Beispiel führt er einen Syrer an, der ihm geschrieben habe - über die Chance «den Tyrannen Assad loszuwerden» und über die gleichzeitige Skepsis, ob das mit dem Schlag gelingen könnte.