Report: Tränen und Kampfgeist - «Stoppt den Klima-Wahnsinn»

Für ein paar Minuten ist die Verzweiflung der Menschen auf den Philippinen nach dem tausendfachen Tod durch Monster-Sturm «Haiyan» auf der UN-Klimakonferenz in Warschau ganz konkret spürbar.

Yeb Saño, der Delegierte des Inselstaates, spricht mit stockender Stimme von den Menschen in seiner Heimat, von seinem Bruder, der seit zwei Tagen mit bloßen Händen Tote geborgen habe, von den Angehörigen, auf deren Lebenszeichen er noch immer warte, von Hunger und Durst in den Dörfern und Städten mit zerstörter Infrastruktur.

Saño kämpft mit den Tränen. «Die Klima-Krise ist Wahnsinn», sagt er. «Lasst uns diesen Wahnsinn stoppen - hier in Warschau.» Seit 20 Jahren scheitere die Weltgemeinschaft nun schon bei dem Versuch, die Folgen des Klimawandels aufzuhalten und ihre eigenen Zielvorgaben zu erfüllen. «Wir können nicht da sitzen und hilflos zusehen», betont der philippinische Klima-Delegierte. «Ich spreche hier auch für die zahllosen Menschen, die nicht mehr selbst ihre Stimme erheben können. Ich spreche für die, die durch diese Tragödie zu Waisen wurden. Ich spreche für diejenigen, die nun im Wettlauf gegen die Zeit versuchen, Überlebende zu retten und Leiden zu lindern.»

Mit seiner gefühlsgeladenen Rede rührt Saño mehrere Delegierte zu Tränen. Am Ende seines Appells herrscht im Plenarsaal zunächst völliges Schweigen, dann gibt es donnernden Applaus. Zahlreiche Delegierte erheben sich, während der philippinische Klimaunterhändler zusammengesunken auf seinem Stuhl um Fassung kämpft.

Saños Worte am ersten Tag der zweiwöchigen UN-Klimakonferenz sind auch eine Anklage gegen das Zaudern der internationalen Gemeinschaft, allen voran der Industrienationen, die die Länder in Asien, Afrika und der Karibik weitgehend allein mit der Bewältigung des Klimawandels lassen.

«Wir weigern uns zu akzeptieren, dass unser Leben darin bestehen soll, vor Monsterstürmen zu fliehen, unsere Familien in Sicherheit zu bringen, Zerstörung und Not zu erleiden und unsere Toten zählen zu müssen», sagt Saño. «Wir müssen aufhören, solche Ereignisse Naturkatastrophen zu nennen. Es ist nicht natürlich, wenn die Wissenschaft uns bereits sagt, dass die Erderwärmung zu immer intensiveren Stürmen führt. Es ist nicht natürlich, wenn die Menschheit das Klima bereits nachhaltig verändert hat.»

Resolutionen in Warschau können die Toten auf den Philippinen und die Opfer von Dürre und Flut in anderen Ländern nicht ins Leben zurückbringen. Doch das Entsetzen über die Zerstörung, die «Haiyan» mit sich brachte, soll nach dem Willen der philippinischen Konferenzdelegation die Entschlossenheit stärken, endlich aktiv zu werden. «Wir rufen die Führer der Welt auf, zu handeln und nicht nur zu reden», betonte die philippinische Umweltexpertin Alicia Ilaaga. «Dies ist die Zeit, eins zu sein.»