Report: Angst vor einer neuen Jahrhundertflut

Roßlau (dpa) - Das Schlimmste kommt wohl noch. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) blickt am Sonntag im südlichsten Zipfel des Bundeslandes in Wetterzeube nahe der Landesgrenze zu Thüringen tief besorgt auf die Wassermassen.

Dem rund 1800 Einwohner zählenden Ort bei Zeitz drohe das schlimmste Hochwasser seit 1924, erfährt der Regierungschef von den Einsatzkräften am Ort. Bereits jetzt sind auch andernorts in Sachsen-Anhalt Straßen und riesige Felder überflutet, stehen Keller und Tiefgaragen unter Wasser.

Bange Blicke gehen immer wieder zum Himmel. Der Regen will einfach nicht aufhören. Die Prognosen der Meteorologen verheißen für den Wochenanfang zwar etwas Besserung, aber noch keine Entwarnung. Für die Elbe in Magdeburg wurde die höchste Hochwasserstufe vier erwartet, wie die Vorhersagenzentrale in Magdeburg mitteilte. Das Pretziener Wehr, das die Landeshauptstadt und die Stadt Schönebeck vor Überflutung schützt, sollte am Montag geöffnet werden, hieß es.

Stürmischer Wind pfiff derweil den Helfern um die Ohren, die vielerorts am Wochenende unermüdlich Sandsäcke füllten, so auch in Halle, wie ein Stadtsprecher sagte. Denn Angst vor einer Hochwasserflut geht nicht nur im Süden Sachsen-Anhalts um. Vielerorts bildeten sich auch angesichts des tagelangen Dauerregens auf Äckern und Wiesen riesige Seen.

Die Strömung der Flüsse ist gewaltig. In Städten des besonders vom Hochwasser der Weißen Elster, Saale und Unstrut betroffenen Burgenlandkreises sowie in Halle richten sich die Anwohner der Flüsse auf das Schlimmste ein. Die Mulde in Dessau-Roßlau, bei Bitterfeld-Wolfen und die Schwarze Elster an der Landesgrenze zu Brandenburg und Sachsen sorgt mit hohen Wasserständen auch für erhöhte Aufmerksamkeit bei den Behörden und Angst bei den Bewohnern.

«Hoffentlich wird es nicht wieder so schlimm wie damals», sagt eine Anwohnerin in Röpzig bei Halle, wo die Saale bedrohlich hoch und die Weiße Elster in der Nähe in der Aue das Wasser am Wochenende hat drastisch anschwellen lassen. Die Frau erinnert sich wie so viele an die Flut 2002, die auch in Sachsen-Anhalt landesweit Millionenschäden angerichtet hatte.

Statt sonntägliche Ruhe herrscht nun wieder emsiges Treiben bei den Menschen an den Flüssen. Freiwillige Helfer sichern Häuser mit Sandsäcke, Anwohner schleppen ihre Sachen vom Keller und Erdgeschoss vorsichtshalber nach oben, Autos werden wegefahren, Tiere in Sicherheit gebracht, soweit es geht.

In gelben Gummistiefeln steht Sachsen-Anhalts Regierungschef an einem Wall von Sandsäcken, den freiwillige Helfer und die Feuerwehr im Wettlauf mit der Zeit errichtet haben. Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU) ist ebenfalls auf Tour, um Seite an Seite mit Experten die Deiche an der Saale und Unstrut bei Naumburg in Augenschein zu nehmen. Sturm und Regen ließen im Harz einen Hang abrutschen. Verletzte gab es nicht. Allerdings wurden Bewohner eines Pflegeheimes in Halle vorsorglich in Sicherheit gebracht.

In Weißenfels stiegen die Wassermassen der Saale auch bedrohlich an. Die Bundeswehr steht parat. «Die Soldaten helfen mit Spezialtechnik aus, da sie über hochbeinige Fahrzeuge verfügen, die auch in überschwemmten Gebieten zum Einsatz kommen können», sagte Haseloff der Nachrichtenagentur dpa. Ihre Hilfe wird dringend benötigt. «Ein paar Zentimeter fehlen noch, dann ist hier völlig Land unter», ist sich ein Anwohner in Wetterzeube fast sicher.