Rettungsaktion auf Adria-Fähre beendet

Es ist eine endlose Nacht, bis die Rettung endlich abgeschlossen ist. Alle Menschen sind von der Unglücksfähre «Norman Atlantic» geborgen. Passagiere berichten von Schlägereien und Panik an Bord.

Das Hoffen und Bangen hat ein Ende: Die Rettung der Menschen von Bord der havarierten Adria-Fähre «Norman Atlantic» ist nach etwa 36 Stunden zu Ende gegangen. Mindestens sieben Menschen wurden tot geborgen. Von Bord sei als letzter auch der Kapitän gegangen, teilte die italienische Küstenwache mit. Die anderen Passagiere und Besatzungsmitglieder seien gerettet worden, sagte Premier Matteo Renzi. An Bord waren ursprünglich 478 Menschen, als der Brand vor der griechischen Insel Korfu am Sonntagfrüh ausgebrochen war.

Die Fähre der griechischen Anek-Lines liegt noch vor der albanischen Küste. Die ganze Nacht hatten die Retter die Menschen mit Hubschraubern von Bord der qualmenden Fähre gebracht. Wind, Dunkelheit und Kälte erschwerten die Operation. Unklar war die Zahl der Geretteten. Die Marine sprach am Mittag von 419, die Küstenwache von 407.

Unter den Passagieren waren auch 18 Deutsche. Zwei von ihnen kamen am Montag mit einem Containerschiff im Hafen von Bari an. Den beiden aus Saarbrücken und Berlin gehe es soweit gut, sie sollten nun nach Deutschland zurückgebracht werden, sagte eine Mitarbeiterin des deutschen Konsulats in Bari der Deutschen Presse-Agentur.

Das Containerschiff «Spirit of Piraeus», das zur Hamburger Rickmers-Gruppe gehört, lief mit 49 Geretteten am Morgen in Bari ein. Ein weiteres Schiff mit knapp 70 Geretteten war auf dem Weg nach Igoumenitsa in Griechenland, viele Gerettete waren außerdem noch auf dem Marineschiff «San Giorgio» unterwegs.

Ein Augenzeuge erzählte, er habe Leichen gesehen. «Ich habe vier tote Personen gesehen, mit meinen eigenen Augen, ich bin sicher. Sie waren vor mir», zitierte die Agentur Ansa einen Passagier. Andere erzählten von Schlägereien an Bord. Und wieder andere erhoben schwere Vorwürfe gegen die Besatzung. «Eigentlich hätten wir mit einem anderen Schiff fahren sollen. Wir haben das erst im Hafen gemerkt. Als wir es gesehen haben, ist uns etwas mulmig geworden», sagte Rania Fyreou im griechischen Fernsehen. «Auf dem Schiff gab es keinerlei Koordination. Das Personal war praktisch nicht vorhanden.»

Die Staatsanwaltschaften in Bari und Brindisi leiteten Ermittlungen wegen fahrlässigen Schiffbruchs und fahrlässiger Tötung ein. Die italienische Reederei Visentini erklärte, mit den Behörden zu kooperieren. Das Schiff habe alle Zertifikate gehabt und sei fahrtüchtig gewesen. Bei einer Inspektion am 19. Dezember waren leichtere Mängel an der «Norman Atlantic» moniert worden.

Über die Ursache des Brandes, der vermutlich im Autodeck ausgebrochen war, wurde weiter spekuliert. Lkw-Fahrer berichteten in griechischen Medien, dass das Fahrzeugdeck überladen gewesen sei. Viele Laster hätten Olivenöl geladen. Ein Funke könne da schnell einen Brand auslösen.