Revolutionsoper «La Battaglia di Legnano» bejubelt

Verdi selbst hat es geschmerzt, dass seine große patriotische Oper «La Battaglia di Legnano» schon zu seinen Lebzeiten fast vergessen war. Er hatte in Europas Revolutionsstürmen um 1848 mit seinem musikalischen Freiheits-Fanal bei seinen Landsleuten glühendste Bewunderung hervorgerufen.

Revolutionsoper «La Battaglia di Legnano» bejubelt
Maja Hitij Revolutionsoper «La Battaglia di Legnano» bejubelt

In Hamburg eröffnete die Staatsopernintendantin Simone Young mit der selten gespielten Oper am Sonntagabend einen ambitionierten Verdi-Zyklus.

Die als Opernstoff gewählte mittelalterliche Schlacht von Legnano 1176, bei der die lombardische Liga den Stauferkaiser Friedrich Barbarossa aus dem Land trieb, war für Verdi ohne Zweifel ein perfekter Background für den aktuellen Widerstand gegen Österreichs Fremdherrschaft und den Kampf um die Einheit Italiens.

Es war die Überraschung des Premierenabends, dass Simone Young am Pult der Philharmoniker und der versierte David Alden als Regisseur den wild aufflammenden patriotischen Parolen und Gesängen Verdis nichts von ihrer brausenden Wucht und brisanten Kompromisslosigkeit nahmen, ja, sie szenisch eher noch zuspitzten. So durfte Arrigo, der italienische Freiheitsheld, der sich dem Selbstmordkommando der Todesritter anschließt, seine kriegerische Kampfeswut mit fast ungebrochenem Opern-Pathos ausagieren. «Guerra a morte» - Krieg bis zum Tod: Seinem Patriotismus hat Verdi allerdings auch nie wieder so ungebärdig die Zügel schießen lassen wie in «La Battaglia di Legnano».

Ganz ohne düstere Spiegelungen des martialischen Geschehens ging es aber auch bei Alden nicht ab auf der «Battaglia»-Bühne, die mit hallenartigen Räumen und dem herabfahrenden Balkon auch bei den folgenden Verdi-Premieren «I Due Foscari» (27.10.) und «I Lombardi» (10.11.) als variable Spielstätte dienen soll. So wurden schon im ersten Akt Verwundete und Verletzte in Lazarettbetten aufgefahren, geisterhaft schlurfende Gestalten, die aber kaum Entsetzen auslösten. Da war es gut, dass die mit dem historischen Politdrama eng verwobene Dreiecksgeschichte um Liebe, Treue, Ehre und Schuld, wenn auch in traditionellem Stil, so doch spannungsvoll aufbereitet war.

Dass Verdi für seinen patriotischen Reißer, der immerhin bereits seine 13. Oper war, wunderbare und vorausweisende Musik erfunden hat, ist ohnehin die stärkste Legitimation für Youngs resolute Rückbesinnung auf das immer noch verkannte frühe Verdi-Werk. Die großen «Tableaux» haben mit ihren durchkomponierten Chorszenen denn auch schon fabelhafte dramatische Schlagkraft. Entzückt hört man die Vorgriffe auf «Traviata» oder «Don Carlos». Im Orchester geschehen bereits kleine und größere Wunder. Vieles hat echten Verdi-Sog.

All das strich Simone Young mit den glänzend aufspielenden Philharmonikern von Beginn an bis zur Apotheose des Finales mit Arrigo als sterbendem Helden der Befreiungsschlacht mit Sorgfalt und Temperament heraus, ohne das noch Ungelenke, Pauschale und Unreife in der Partitur kaschieren zu wollen. Natürlich hatten die Sänger entschiedensten Anteil am Gelingen. So sangen der Koreaner Yonghoon Lee und der Italiener Giorgio Caoduro das eifersüchtige Freundespaar Arrigo und Rolando mit blendender Verve. Während Alexia Voulgaridou der von beiden geliebten Lida nicht minder betörende Ausdruckskraft verlieh. Zu Recht bekam auch der markante Staatsopernchor großen Beifall.

Schon jetzt ist klar: Nach der «Battaglia di Legnano» wird man mit neuem, geschärftem Blick auf den Verdi der vielbeschworenen «Galeerenjahre» sehen, die eben nicht nur von Produktions-Plackerei, sondern auch von erstaunlichsten künstlerischen Höhenflügen geprägt waren.