Richterin verkündet Strafe für Wikileaks-Informanten Manning

Im Prozess um den Wikileaks-Informanten Bradley Manning will Richterin Denise Lind an diesem Mittwoch das Strafmaß bekanntgeben. Das teilte sie in Fort Meade (US-Staat Maryland) mit.

Die Höchststrafe liegt bei 90 Jahren Haft. Die Ankläger fordern mindestens 60 Jahre. Die Verteidigung bat dagegen um Milde, ohne eine spezielle Strafe zu empfehlen. Unterstützer des bereits schuldig gesprochenen US-Soldaten haben für Mittwoch Protestaktionen angekündigt.

Manning hatte während seiner Zeit als Geheimdienst-Analyst beim US-Heer im Irak Hunderttausende geheime Papiere an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben. Richterin Lind befand ihn Ende Juli unter anderem des Geheimnisverrats und der Spionage für schuldig. Im schwerwiegendsten Vorwurf, Unterstützung des Feindes, sprach sie ihn indes frei. Am Mittwoch vergangener Woche hatte sich Manning vor Gericht für den Verrat entschuldigt.

Verteidiger David Coombs charakterisierte Manning am Montag als einen idealistischen, wenn auch naiven jungen Mann, dem die Chance auf ein normales Leben und Rehabilitation nicht verweigert werden dürfe. Dies umso mehr, als sich herausgestellt habe, dass die Weitergabe der Informationen keinen langfristigen Schaden für die Sicherheit der USA angerichtet habe.

Das von der Anklage geforderte Strafmaß würde bedeuten, dass Manning auch dann noch Jahre im Gefängnis vor sich hätte, wenn die weitergebenen Unterlagen längst zur Veröffentlichung freigegeben sein würden, gab Coombs zu bedenken. Manning könne aber nach einer kurzen Freiheitsstrafe ein «produktives Mitglied» der Gesellschaft sein.

Anklagevertreter Joe Morrow argumentierte laut der «New York Times» dagegen, Manning habe sich «ernster Verbrechen» schuldig gemacht. «Er hat Verrat an den Vereinigten Staaten begangen, und wegen dieses Verrats verdient er, den größten Teil seines restlichen Lebens in Gewahrsam zu verbringen.»