Richtungswahl: Moldau stimmt über West- oder Ostkurs ab

In einer wegweisenden Abstimmung über eine Annäherung an die EU oder an Russland hat die frühere Sowjetrepublik Moldau ein neues Parlament gewählt.

Seit einer gewaltsamen Entmachtung der Kommunisten vor fünf Jahren regiert in dem Land ein prowestliches Bündnis. «Ohne Europa kann sich Moldau nicht entwickeln», sagte Regierungschef Iurie Leanca am Sonntag Agenturen zufolge bei der Stimmabgabe in der Hauptstadt Chisinau. Die Opposition möchte dagegen Moldaus EU-Kurs aufhalten und sich einer Zollunion mit Russland anschließen.

Die Wahlkommission berichtete von einer regen Beteiligung. Sechs Stunden nach Öffnung der Wahllokale lag sie bei 21 Prozent. Mehr als drei Millionen Wähler waren stimmberechtigt. Umfragen zufolge könnten fünf Parteien ins Parlament einziehen. Prognosen wurden ab 21.00 Uhr erwartet, offizielle Ergebnisse sollten an diesem Montag folgen.

Moldau mit seinen rund 3,5 Millionen Einwohnern liegt zwischen der Ukraine und dem EU-Mitglied Rumänien - und somit im Spannungsfeld zwischen Russland und der Europäischen Union. Der Konflikt um das abtrünnige Gebiet Transnistrien belastet das Verhältnis zwischen Russland und Moldau. Moskau unterstützt die russischsprachige Region. Transnistrien boykottierte die Wahl.

«Wir wählen unsere Zukunft», sagte Moldaus Präsident Nicolae Timofti in einem Wahllokal in Chisinau. Der Chef der oppositionellen Sozialisten, Igor Dodon, rief zu einer Wahl «für ein prosperierendes Moldau an der Seite eines starken Russlands» auf.

Eine Schlüsselrolle dürfte Umfragen zufolge den oppositionellen Kommunisten um den früheren Präsidenten Vladimir Voronin zufallen. Zwar könnten sie stärkste Kraft werden, doch dürfte voraussichtlich keine Partei genug der 101 Mandate erringen, um alleine zu regieren.

Der kurzfristige Ausschluss der prorussischen Partei Patria wegen illegaler Wahlkampffinanzen hatte wenige Tage vor der Abstimmung internationale Kritik ausgelöst. Laut Umfragen hätte Patria bis zu 15 Prozent der Stimmen erhalten können. Die Partei rief ihre Anhänger auf, aus Protest trotzdem für sie zu stimmen.