Robbie Williams: «Niemand will der Zweite sein»

Gerade mal ein Jahr nach seiner letzten Platte «Take The Crown» veröffentlicht Robbie Williams am Freitag sein neues Album «Swings Both Ways». Im Interview in Berlin spricht der 39-Jährige über die Rückkehr zur Swing-Musik, seinen Hang zu Abhängigkeiten und das Vertrauen zu seiner Tochter Teddy.

Robbie Williams: «Niemand will der Zweite sein»
Friso Gentsch Robbie Williams: «Niemand will der Zweite sein»

Frage: Sie haben ihre aktuelle Single «Go Gentle» Ihrer Tochter Teddy gewidmet - das Lied handelt auch davon, dass Sie sie vor den falschen Männern schützen wollen. Haben Sie schon Angst davor, wenn die Kleine ein Teenager ist und ihren ersten Freund hat?

Antwort: Nein, nicht wirklich. Vielleicht erliege ich einer Illusion, aber ich glaube, sie wird eine gute Wahl treffen. Ich gehe davon aus, dass sie klug sein und alleine klarkommen wird. Wenn du jemandem Zeit und Liebe gibst, und derjenige sich geliebt fühlt, dann wird er gute Entscheidungen treffen. Es ist ein Minenfeld, ein Teenager oder Anfang 20 zu sein. Aber es macht natürlich auch viel Spaß und ist befreiend und aufregend. Ich kann nur hoffen, dass sie nicht meinen Hang zur Abhängigkeit geerbt hat. Aber auch das kann Spaß bringen - in der einen oder anderen Nacht.

Frage: Statt wilde Partys zu feiern, führen Sie inzwischen ein rauschfreies Familienleben. Sogar mit dem Rauchen haben Sie aufgehört. Haben Sie sich denn überhaupt noch irgendwelche Sünden oder Abhängigkeiten bewahrt?

Antwort: Essen - und das wird sich auch nicht ändern. Mit Drogen ist es ganz leicht: Du kannst einfach aufhören, sie zu nehmen. Aber mit Essen ist das anders. Du musst essen, und es ist auch immer viel davon da. Und ich neige zu Abhängigkeiten, wie Sie vielleicht wissen. Ich werde immer einen Schoko-Fetisch haben.

Frage: Ein Song auf Ihrem neuen Album heißt «No One Likes A Fat Popstar» - haben Sie deshalb wieder ein paar Kilo abgenommen?

Antwort: Nein, aber ich war auf Tour diesen Sommer. In den 90er Jahren, wenn man von der Bühne kam, war es normal zu sagen: «Alles klar, lasst uns Kokain nehmen!» Und heute heißt es: «Wo sind die Süßigkeiten?» (...) Am Ende der Tour hat mich jemand in England mit Elvis verglichen - Elvis, bevor er starb. Und ich dachte: «Ich muss sofort aufhören zu essen.» Seitdem achte ich sehr auf meine Ernährung. Aber es ist verdammt schwierig und so langweilig.

Frage: Sie zählen zu den erfolgreichsten Musikern überhaupt. Die Erwartungen vor Ihren neuen Alben sind enorm. Spüren Sie einen besonderen Druck?

Antwort: Ja, ich will, dass es ein Erfolg wird. Das ist auch ganz normal. Es geht viel um Konkurrenz im Showgeschäft. Niemand will der Zweite oder Dritte sein. Und ich will um Himmels willen nicht der Vierte sein.

Frage: Sie haben 2001 ihr erstes Swing-Album «Swing When You're Winning» herausgebracht. Warum sind Sie ausgerechnet jetzt zum Swing zurückgekehrt?

Antwort: Ich habe erst im letzten Jahr «Take the Crown» veröffentlicht und konnte nicht schon wieder ein Pop-Album bringen. Aber ich wollte weiterarbeiten. Ich wusste die ganze Zeit, dass ich zum Swing zurückkehren würde. Und jetzt ist der richtige Zeitpunkt.

Frage: Wollen Sie mit Ihrem Swing-Programm auch auf Tour gehen?

Antwort: Ja, und ich werde auch nach Deutschland kommen. In der vergangenen Nacht habe ich mir schon ein paar Gedanken über das Programm gemacht. Es wird sehr unterhaltsam und ich bin sehr froh, dass ich nicht «Angels» singen muss.