Rosberg gereift - Hamilton zurückhaltend - Vettel stabil

Francorchamps (dpa) - Ablenkung? Keine Chance! Nico Rosberg sieht sich auch als werdender Vater voll fokussiert für das WM-Duell mit seinem Stallrivalen Lewis Hamilton. Der Eklat von vor einem Jahr beim Grand Prix von Belgien hat ihn nach eigener Ansicht sogar reifen lassen.

An gleicher Stelle in Spa-Francorchamps am Wochenende will der 30-Jährige den Druck auf seinen britischen Teamkollegen erhöhen und sich auch vom hartnäckigen Silberpfeil-Verfolger Sebastian Vettel im Ferrari nicht aus der Ruhe bringen lassen.

«Ich schaffe das, dass ich voll fokussiert bin», bekräftigte Rosberg vor dem ersten Formel-1-Rennen nach der vierwöchigen Sommerpause. Der Zoff mit Hamilton aus dem vergangenen Jahr hat ihn weitergebracht. «Ich bereue nix», stellte der WM-Zweite am Donnerstag klar. «Es war eine harte Zeit für alle. Ich habe daraus gelernt und bin dadurch stärker.»

Auf die Frage, ob er während der Formel-1-Ferien mehr an das Kind oder die Aufholjagd nach Hamilton gedacht habe, antwortete Rosberg lächelnd: «Definitiv an das Kind.» Der Weltmeister war zumindest im Hintergrund immer irgendwie anwesend. «Es war eher präsent, dass ich weiter top in Form bin und eine top Leistung bringe. Ich habe an meine Performance gedacht», versicherte Rosberg, dessen Frau Vivian kommende Woche das Kind zur Welt bringen soll.

Hamilton präsentierte sich in den Ardennen zurückhaltend. «Natürlich sind wir hier, um zu gewinnen. Wir wissen aber, dass die anderen Teams aufschließen wollen», sagte er und stellte klar: «Wir gehen in kein Rennen und glauben, wir sind irgendjemandem überlegen.»

Mercedes ist es aber. Und auch Hamilton ist in dieser Saison eine Klasse für sich. Mit 202 Punkten führt er das WM-Klassement an. 21 Zähler weniger hat sein Stallrivale Rosberg, 42 fehlen Vettel auf den Briten. «Die Anstrengung des Teams macht mir Mut, dass das unser Jahr werden kann», beteuerte Hamilton dann doch.

Auf eine Frage zu seinem Privatleben, dass er mittels sozialer Medien wie Instagram oder Twitter stark in die Öffentlichkeit bringt, reagierte der 38-malige Grand-Prix-Sieger cool. «Ich habe keinen neuen 'way of life'. Er ist nun vielleicht nur sichtbar», erklärte er und ergänzte grinsend: «In den vergangenen Jahren lief es damit ziemlich gut.»

Für Vettel und Ferrari läuft es ebenfalls ziemlich gut. Nach zwei Siegen in diesem Jahr hat der Heppenheimer vor dem 900. Rennen seines Teams natürlich Lust auf mehr. Im Idealfall will der viermalige Weltmeister mit einem Triumph in seinem 150. Grand Prix am Sonntag die Übermacht der Silberpfeile ins Wanken bringen. «Die Favoriten sind zwar noch vor uns. Wir geben aber alles bis zum Schluss. Wir wollen das Unmögliche möglich machen», bekräftigte Vettel.

Auf diesem Weg ist auch die Vertragsverlängerung mit Kimi Räikkönen ein fundamentales Mosaik. Nach Wochen voller Spekulationen wird der Finne auch 2016 an Vettels Seite für Ferrari fahren. «Es ist wichtig, innerhalb des Teams Stabilität zu wahren», erläuterte der Hesse.

Rosberg ist sich der Gefahr durch die «Roten» bewusst. «Wir erwarten immer, dass sie eine Bedrohung sind», sagte er. «Aber wir glauben weiter daran, dass wir das schnellste Auto haben.»