Rosberg Trainingsweltmeister nach Silberpfeil-Premiere

Nico Rosberg hat sich schon in den ersten Stunden mit dem neuen Silberpfeil den Titel Trainingsweltmeister verdient. Der Mercedes-Pilot spulte im F1 W06 bis zum Mittag auf dem ehemaligen Grand-Prix-Kurs in Jerez de la Frontera bereits eine komplette Renndistanz ab.

Rosberg Trainingsweltmeister nach Silberpfeil-Premiere
Peter Steffen Rosberg Trainingsweltmeister nach Silberpfeil-Premiere

Zudem führte er nach den ersten vier Teststunden für die neue Formel-1-Saison die Tabelle mit über anderthalb Sekunden Vorsprung an. «Dieses Jahr ist mein Rückspiel und ich gehe enorm motiviert hinein», kündigte der WM-Zweite mit Blick auf das wieder zu erwartende Teamduell mit Weltmeister Lewis Hamilton an.

Sebastian Vettels Start in die Proberunden zur neuen Saison verlief mit dem Ferrari nicht so reibungslos. In der Boxengasse hatte der Scuderia-Neuzugang zwar den wartenden Rosberg noch überholt und die Testfahrten eröffnet. Nach neun Runden war aber erst einmal Schluss für den 27 Jahre alten Heppenheimer. Hinter roten Sichtschutz-Wänden wurde am neuen SF15-T geschraubt. Der Vierfach-Weltmeister konnte stundenlang nicht fahren - so wie vor einem Jahr, als sich die Tests für ihn und sein damaliges Red-Bull-Team allerdings zu einem echten Desaster entwickelt hatten.

Rosberg war indes nicht zu bremsen. «Aus dem vergangenen Jahr kenne ich das Gefühl, zu siegen und um die Weltmeisterschaft zu kämpfen. Leider kenne ich auch das Gefühl, am Ende nicht siegreich zu sein. Das soll sich nicht wiederholen und gibt mir einen zusätzlichen Schub», sagte der gebürtige Wiesbadener, der zusammen mit Hamilton in der andalusischen Morgendämmerung bei gerade mal drei Grad die schwarze Decke vom neuen Silberpfeil gestreift hatte. «Die Vorstellung eines neuen Autos ist ein aufregender Moment für alle Beteiligten», sagte Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff.

Der F1 W06 ist eine Weiterentwicklung des Wagens, mit dem Mercedes in der vergangenen Saison die Konkurrenz nach Belieben beherrscht hatte. Hamilton gewann elf Rennen, Rosberg fünf. Einzig Daniel Ricciardo im Red Bull konnte die Phalanx der Silberpfeile dreimal durchbrechen. Der Australier reihte sich zur Halbzeit des ersten Testtages im neuen RB11 mit Tarnlackierung auf Rang zwei ein vor Marcus Ericsson aus Schweden im Sauber und Vettel im Ferrari. Insgesamt waren nur sieben Wagen am ersten Tag im Einsatz.

«Es wäre sehr gefährlich, sich auf unseren Lorbeeren von 2014 auszuruhen. Keiner von uns hat das Gefühl, dass es nun einfacher werden würde. Im Gegenteil: Unsere Motivation ist stärker denn je zuvor», betonte Wolff in einer Pressemitteilung. Optisch fällt vor allem die elegant geschwungene neue Nase des Silberpfeils auf. Aber der Teufel stecke nun mal im Detail, betonte Technikdirektor Paddy Lowe. Sowohl am Chassis als auch an der Antriebseinheit, die sich im vergangenen Jahr als klar überlegen gegenüber Renault und Ferrari erwiesen hatte, habe es eine Reihe Weiterentwicklungen gegeben.

In Jerez dürfen die Teams noch bis einschließlich Mittwoch testen. Zwei weitere Testphasen stehen danach in Barcelona an, ehe am 15. März die Roten Ampeln in Melbourne zum ersten von derzeit geplanten 20 Grand Prix in diesem Jahr erlöschen. «Bis zum ersten Rennen liegt jedoch noch ein langer Weg vor uns. Um mit unseren Gegnern, deren Können und Wettbewerbsfähigkeit niemals unterschätzt werden darf, mithalten zu können, müssen wir ein schnelles und zuverlässiges Rennauto bauen», betonte Wolff. «Im Moment hat jedes Team noch null Punkte.»

Aber das Mercedes-Team schon wieder einen Wagen, der läuft. Und einen Titelverteidiger, der sich auf den erneuten Zweikampf mit Herausforderer Rosberg freut. «Ich glaube, unterbewusst treibt mich der Hunger nach Erfolgen an. Dieses Gefühl gefällt mir. Ich möchte es immer wieder spüren», erklärte Hamilton. «Ich bin froh, dass Nico und ich vergangenes Jahr diesen Zweikampf hatten. Ich liebe es, Rennen zu gewinnen. Aber es fühlt sich umso schöner an, wenn man darum kämpfen muss.» Der 30 Jahre alte Brite, Weltmeister von 2008 und 2014, wird an diesem Montag den neuen Silberpfeil übernehmen.