Royal Baby II. - Gelassenheit auf der Insel

Der britische Wettanbieter Ladbrokes musste schon ziemlich tief in die Trickkiste greifen, um die Einsätze auf das nächste Royal Baby in Großbritannien in die Höhe zu treiben.

Royal Baby II. - Gelassenheit auf der Insel
John Stillwell Royal Baby II. - Gelassenheit auf der Insel

Er veranstaltete das «Barkingham-Palace-Race», ein gestelltes Hunderennen. Hierbei sollten Geschlecht und Name für das zweite Kind von Prinz William (32) und seiner Frau Kate (33) ermittelt werden. Bei dem Wettlauf traten nicht die in England bei solchen Veranstaltungen üblichen Windhunde an - sondern Corgis, die kleinen Lieblingshündchen von Queen Elizabeth II.

Der Corgi mit dem Namen Alexandra auf dem roten Leibchen war der schnellste. Sollten die Hündchen als Orakel taugen, wird Kate also im April eine Tochter zur Welt bringen. Geht es nach den Buchmachern, könnte das öffentliche Interesse an dem Thema rund vier Wochen vor dem angeblichen Geburtstermin endlich ein wenig Fahrt aufnehmen. Denn verglichen mit dem Hype, den die bevorstehende Geburt von Prinz George vor knapp zwei Jahren schon Monate vor der Niederkunft in Großbritannien ausgelöst hatte, ist die Öffentlichkeit auf der Insel an der zweiten Schwangerschaft Kates praktisch nicht interessiert.

Wurde im Jahr 2013 das Wachstum von Kates Babybauch von der Presse praktisch täglich neu vermessen, konstatiert etwa ein australisches Nachrichtenportal heute: «Die Fanfare ist verstummt.» Nicht einmal die Eingrenzung des Geburtstermins auf «Mitte bis Ende April», die der werdenden Mutter kürzlich bei einem Wohltätigkeitsauftritt in einem Heim für überforderte Mütter über die Lippen kam, erregte signifikante Aufmerksamkeit.

Sogar Kate selbst scheint in der Baby-Routine gefangen: «Manchmal vergesse ich, dass ich überhaupt schwanger bin», sagte sie kürzlich, als sie wieder einen ihrer vielen Pflicht-Auftritte abspulte. Lediglich der «Independent» merkte auf. Könnte das Neugeborene kurz vor der britischen Parlamentswahl am 7. Mai etwa soviel Nationalstolz verbreiten, dass die Konservativen um Premierminister David Cameron an der Macht gehalten werden? Und das Boulevard-Magazin «OK!» entwirft einen angeblichen Streit zwischen Prinz Charles und Kates Mutter Carole Middleton um die Aufmerksamkeit der jungen Familie.

Die royale Langeweile ist gewollt. Die Medienstrategen hinter William und Kate haben seit der Hochzeit des Paares im April 2011 die Devise «kontrollierte Defensive» ausgegeben. Die Meute der Journalisten bekommt gerade so viel Futter, um ihren Heißhunger auf Neuigkeiten aus der Welt hinter den Palastmauern zu stillen. Aber viel zu wenig, um fette Skandalgeschichten zu stricken. Damit können beide Seiten halbwegs leben - auch Prinz William, der nach der Paparazzi-Jagd auf seine Mutter Diana nicht gut auf die Presseschar zu sprechen ist.

Auch er konnte nicht verhindern, dass vor der Geburt seines ersten Sohnes im Juli 2013 das weltweite Medieninteresse überbordete. Jede Informations-Kleinigkeit wurde zur großen Story aufgeblasen, die Fotografen platzierten Wochen vor dem Geburtstermin ihre Leitern vor dem Krankenhaus, um sich Standplätze für die besten Fotos zu sichern. Diesmal wird bisher nicht einmal darüber spekuliert, in welcher Klinik Kate niederkommen wird - dass es wieder der exklusive private Lindo Wing des Londoner St.-Marys-Hospital sein wird, gilt als ausgemacht.

Sollte es später einmal zum internen Wettstreit mit Bruder George (1) kommen, wessen Geburt die meisten Schlagzeilen erzeugt hat, ist das zweitgeborene Kind schon jetzt der Verlierer. Dafür muss sich George nach Lage der Dinge in vielen Jahren einmal die Königskrone aufsetzen lassen. Der Nachkömmling, bei seiner Geburt Nummer vier der Thronfolge, kann dagegen ein weitgehend unbeschwertes Leben in königlichem Wohlstand führen.

Dass man es sich auch dabei schwermachen kann, bewiesen in der Geschichte einige der jüngeren Geschwister: Queen Elizabeths jüngere Schwester Margaret gab sich dem Gin hin, Charles Bruder Andrew wird öffentlich die Nähe zu einem verurteilten Pädophilen nachgetragen und sein Neffe Prinz Harry fiel bisher mit Nazi-Verkleidungen und Strip-Billard in Las Vegas aus der royalen Rolle.