Rätseln um Airbus-Absturz geht weiter

Bei den Ermittlungen zum Airbus-Absturz in den französischen Alpen fehlt den Ermittlern weiterhin ein zentraler Baustein: Immer noch wird der zweite Flugschreiber im ausgedehnten Trümmerfeld in der Nähe des Örtchens Seyne-les-Alpes gesucht.

Die Ermittler erhoffen sich von gespeicherten Flugdaten Aufschluss darüber, was genau an Bord des Germanwings-Airbus geschah, bevor er am Dienstag mit 150 Menschen an Bord an einem Bergmassiv nordöstlich von Marseille zerschellte.

Nach bisherigem Erkenntnisstand brachte der Co-Pilot die Maschine mutwillig zum Absturz. Warum - darauf haben die Ermittler noch keine Antwort geben können. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hatte am Freitag lediglich erklärt, man habe in der Wohnung des Mannes «zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen» gefunden. Frühestens am Montag will die Behörde weitere Ermittlungsergebnisse zum Absturz bekanntgeben.

Der Copilot soll den Airbus A320 auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich in einen Sinkflug versetzt haben, als der Kapitän das Cockpit kurz verließ. Die französische Staatsanwaltschaft schloss aus den Aufzeichnungen des rasch gefundenen Sprachrekorders, dass der 27-Jährige den Piloten aus dem Cockpit aussperrte. Französische Ermittler untersuchen allerdings weiterhin auch die Möglichkeit eines technischen Defekts der Germanwings-Maschine.

Am Absturzort liegen Trümmerteile und die sterblichen Überreste der toten Insassen in einem unzugänglichen Gelände, das sich über mehrere Hektar erstreckt. Die Identifizierung der Opfer könnte nach Einschätzung des Rechtsmediziners Michael Tsokos von der Berliner Charité mehrere Wochen dauern. «In etwa drei Wochen werden bis zu 95 Prozent der Vermissten identifiziert und somit offiziell für tot erklärt sein», sagte er der «Bild am Sonntag». Die Familien müssten sich vermutlich am geschlossenen Sarg von ihren Lieben verabschieden. Ein letzter Blick auf die Opfer sei ihnen nicht zuzumuten.

Der Copilot, der auch als Segelflieger aktiv war, soll die Unglücksregion seit seiner Jugendzeit gekannt haben. Er sei mit seinen Eltern dorthin gekommen, berichtete Francis Kefer vom Flugfeld in Sisteron am Samstag dem französische Sender iTele. Diese hätten zwischen 1996 und 2003 mit ihrem Segelflugclub aus Montabaur Flüge in der Gegend unternommen. Sisteron liegt gut 40 Kilometer westlich der Absturzstelle.

Der 27-Jährige aus Montabaur hat seinem Arbeitgeber Germanwings nach Erkenntnissen der Ermittler eine Erkrankung verheimlicht. Die Fahnder, die in der Wohnung des 27-Jährigen dessen Krankschreibungen fanden, hatten nach Hinweisen auf ein psychisches Leiden gesucht. Sie fanden weder einen Abschiedsbrief noch ein Bekennerschreiben. Für Berichte, wonach der Copilot an starken psychischen Problemen und auch Sehstörungen gelitten haben soll, war bis Sonntagmittag keine Bestätigung der Behörden zu erhalten.

Am 17. April soll im Kölner Dom mit einem Gottesdienst und einem staatlichen Trauerakt der Opfer gedacht werden. Im westfälischen Haltern, wo um 16 Schüler und zwei Lehrerinnen getrauert wird, soll es am Mittwoch (1. April) einen öffentlichen Gottesdienst geben. Auch am Samstag versammelten sich Menschen in Kirchen in Deutschland und Frankreich, um der Toten zu gedenken.

Angehörige der Absturzopfer können mit finanzieller Soforthilfe rechnen, um unmittelbar anfallende Ausgaben zu decken. «Lufthansa zahlt bis zu 50 000 Euro pro Passagier», zitierte der «Tagesspiegel» einen Germanwings-Sprecher.