Rückblick2015: Was macht eigentlich...

Rückblick2015: Was macht eigentlich...
Christian Charisius Rückblick2015: Was macht eigentlich...

Moskau (dpa) - Hungern muss der Ex-Geheimdienstler Edward Snowden in seinem Exil nicht - auch nicht nach dem russischen Importverbot für Waren aus seiner US-amerikanischen Heimat. An die etwas anderen Mahlzeiten im Riesenreich habe sich der Whistleblower gewöhnt, sagt sein Moskauer Anwalt Anatoli Kutscherena.

Zudem berichten westliche Journalisten und Menschenrechtler nach konspirativen Treffen mit Snowden in Moskau, dass sich der 32-Jährige gerne typisch amerikanische Köstlichkeiten mitbringen lasse - etwa Erdnussbutter. Glaubt man dem als kremlnah eingestuften Juristen Kutscherna, lernt der IT-Experte die russische Sprache, geht einkaufen und besucht Museen der Hauptstadt.

Was klingt wie Alltag, ist aber in Wirklichkeit ein nicht beneidenswertes Leben wie aus einem Hollywood-Thriller. Snowden saß nach der Flucht aus den USA 2013 wochenlang im Moskauer Flughafen Scheremetjewo fest und hält sich heute an einem unbekannten Ort in Russland auf. Vom Staat bekomme der von US-Behörden Gesuchte aber weder Schutz noch Wohnung, beteuert Kutscherena. Snowden verdiene sein Geld als Internet-Fachmann und lebe auch von Spenden - beschützt von einem privaten Wachdienst.

Athen (dpa) - Cool, intellektuell überlegen, moralisch integer, dabei rebellisch, voller Energie und durchtrainiert. So präsentiert sich Gianis Varoufakis, der frühere griechische Finanzminister, heute gerne. Seit seinem Ausscheiden aus der Athener Linksregierung im Juli 2015 reist Varoufakis um die Welt und predigt gegen den Finanzliberalismus und die Sparpolitik, die er als Quell allen wirtschaftlichen Elends ansieht.

Mit seiner Wortgewandtheit und Präsenz ist er ein gern gesehener Gast in Talk-Shows. An Universitäten wird er von linken Studenten umjubelt. Die griechische Boulevardpresse nannte ihn den Mann mit James-Bond-Blick; manchen gilt er als Sexsymbol. Kritiker meinen, Varoufakis reise wie ein Popstar um die Welt. Sein Ego wird von Weggefährten als riesengroß beschrieben.

Schlagzeilen macht er allerdings immer öfter nur noch in der Boulevardpresse. Die Zeitungen in seinem Heimatland wollen wissen, dass er Gagen mit einer fünfstelligen Zahl kassiere. Er bestreitet dies.

Rom (dpa) - «Bunga-Bunga» ist für Silvio Berlusconi abgehakt. Im «Ruby»-Prozess um Sexpartys mit minderjährigen Prostituierten gab es für den langjährigen italienischen Regierungschef 2015 einen endgültigen Freispruch. «Jetzt bin ich wieder im Spiel», verkündete «Il Cavaliere» nach dem Urteil des höchsten Gerichtes im März.

Doch in der italienischen Politik wieder groß mitzumischen, scheint dem 79-Jährigen Medienzar nicht zu gelingen. Ohnehin darf Berlusconi bis 2019 keine öffentlichen Ämter übernehmen. Aber auch als Chef der Forza Italia kann er nicht mehr so viel ausrichten. Denn seine Partei mit dem Wort «Kraft» im Namen schwächelt. In Umfragen dümpelt sie bei elf Prozent. Abtrünnige um seinen alten Freund Denis Verdini haben Berlusconi verlassen und im Sommer eine eigene Fraktion gründete, die den Ministerpräsidenten Matteo Renzi unterstützt.

Seit April kann sich Berlusconi wieder frei bewegen. Da hatte er eine Strafe wegen Steuerbetrugs verbüßt, die von vier Jahren Haft auf zehneinhalb Monate Sozialdienst in einem Altenheim reduziert worden war. Er nutzt seine neue Freiheit zum Reisen, besuchte seinen Freund Wladimir Putin auf der von Russland annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim und gab an der Seite des Kreml-Chefs Kommentare zur Weltlage ab, die daheim eigentlich kaum noch einer hören wollte.