Rückrufprobleme und Boni-Debatten: VW sucht viele Lösungen

Anstelle des seit Wochen überfälligen Passats könnten bald andere vom Diesel-Skandal betroffene Autos aus dem VW-Konzern - darunter der Golf - in die Werkstätten gerufen werden.

Rückrufprobleme und Boni-Debatten: VW sucht viele Lösungen
Friso Gentsch Rückrufprobleme und Boni-Debatten: VW sucht viele Lösungen

«Volkswagen wird die Lösung für den Passat mit Hochdruck weiter verfolgen und gleichzeitig versuchen, ein anderes Cluster vorzuziehen», heißt es in einer Mitteilung des Konzerns an die Vertragswerkstätten, die der Deutschen Presse-Agentur in Hannover vorliegt.

Damit kündigt VW den Servicepartnern an, dass sich nicht nur die Lösung für den Passat noch weiter verzögern könnte, sondern auch, dass im Konzern bereits an einer Alternative gearbeitet wird.

Der Passat sollte eigentlich als Teil der zweiten Ruckrufwelle bereits in der neunten Kalenderwoche anlaufen. Doch das für die Genehmigung verantwortliche Kraftfahrtbundesamt (KBA) verweigert seit Wochen die Freigabe. Offiziell begründen wollten dies bislang weder VW noch das KBA. Nach dpa-Informationen gab es wiederholt Probleme mit Verbrauchswerten. So soll unter anderem der Kraftstoffverbrauch nach dem Aufspielen der neuen Motorsoftware leicht gestiegen sein.

«Über das Vorziehen ist noch nichts final entschieden», sagte ein Konzernsprecher auf Anfrage. Aber im Sinne der betroffenen Kunden und auch um eine bestmögliche Auslastung der Werkstätten zu erreichen, gebe es in der Tat entsprechende Überlegungen. «Es geht dabei ebenfalls um betroffene Fahrzeuge mit 2,0 Liter-Dieselmotoren.» Ob dies nur für die im nächsten Cluster befindlichen Modelle des Golf gelte, oder auch für Fahrzeuge von Skoda, Seat oder Audi, sei offen. «Alle Überlegungen zum etwaigen Vorziehen anderer Modelle erfolgen selbstverständlich in enger Absprache mit dem Kraftfahrtbundesamt.»

Infolge der weltweiten Abgasmanipulationen bei mehr als elf Millionen Fahrzeugen steht Volkswagen vor der größten Rückrufaktion in der Konzerngeschichte. Während in den USA noch keine Einigung mit den Behörden über das Prozedere erzielt werden konnte, durfte in Deutschland zumindest schon der VW-Pickup Amarok in die Werkstätten beordert werden. Dabei handelt es sich aber nur um rund 8500 Fahrzeuge. Der Passat wäre nun das erste Volumenmodell.

Um in den Werkstätten die notwendigen Kapazitäten für den Rückruf der Passats zu haben - konkret geht es um rund 160 000 Fahrzeuge -, stehen die Vertragshändler seit Wochen in Wartestellung. Urlaubssperren wurden ausgesprochen, einige Werkstätten haben zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. «Natürlich sind die Händler nicht gerade begeistert wegen der Verzögerung», heißt es aus dem Konzern.

Am Donnerstag hatte das KBA zumindest für einige andere betroffene Modelle aus der zweiten Rückrufwelle grünes Licht gegeben. Konkret für die vier Audi-Modelle A4, A5, A6 und Q5 sowie den Seat Exeo. Alle Fahrzeuge sind mit der von VW entwickelten 2,0-Liter-Variante des Skandal-Motors EA 189 ausgestattet. Wie der Passat muss sich auch der Skoda Superb weiter gedulden. Von dem Modell sollten in dieser Welle zunächst 19 000 Autos mit einer legalen Software ausgerüstet werden.

Obwohl sich der Konzern offiziell gelassen zu den bereits verlorenen Rückruf-Wochen gibt, sorgt der Zeitverlust hinter den Kulissen schon für Unruhe. Intern wird der Verzug mit rund 250 000 Wagen beziffert. Der Vorstand soll bereits die klare Vorgabe erteilt haben, dass der Rückruf trotz allem im laufenden Jahr beendet wird.

An einer anderen Front meldete sich VW-Aufsichtsrat und IG-Metall-Chef Jörg Hofmann zu Wort. Im Streit um hohe Bonuszahlungen forderte er mehr Bescheidenheit vom Management. «Es wird allein durch die Folgen des Abgas-Skandals zu einer signifikanten Reduzierung der Boni kommen. Darüber hinaus werden wir mit dem Vorstand über die Frage diskutieren, was in der jetzigen Situation angemessen ist», sagte er der dpa in Hannover. Auch von Seiten des VW-Großaktionärs Niedersachsen waren kritische Töne zu den Bonusforderungen zu hören.

Er gehe davon aus, dass der Vorstand in dieser Frage der Ankündigung von Konzernchef Matthias Müller folgen werde, so Hofmann. Müller hatte Ende 2015 erklärt, dass der Vorstand bei den Boni im Zuge der Krise «den Gürtel enger schnallen» werde. «Letztlich wird dann der Aufsichtsrat eine Entscheidung treffen, und dort werden wir unseren Einfluss geltend machen», betonte Hofmann. Es dürfe aber nicht vergessen werden, dass gültige Verträge eingehalten werden müssten.

Der «Spiegel» hatte am Donnerstag berichtet, dass einige VW-Manager trotz der Krise auf hohen Bonuszahlungen bestünden. VW wollte dies nicht kommentieren. Über die genaue Höhe will der Konzern Ende April bei der Bilanzvorlage informieren.

Im Ringen um den Sparkurs bei Volkswagen forderte Hofmann klare Bekenntnisse und eindeutige Ansagen des Managements. «Wir brauchen konkrete Zusagen zur Zukunft der Standorte, zu Arbeitsplätzen und Produkten», sagte Hofmann. Am Vortag war bekanntgeworden, dass Betriebsrat und Arbeitgeber über einen entsprechenden Zukunftspakt verhandeln werden.