Rumänien trauert um 29 Tote bei Feuer in Bukarester Nachtclub

Bei einem Brand in einem Bukarester Nachtclub voller junger Leute sind mindestens 29 Menschen ums Leben gekommen. 140 Verletzte waren am Sonntag noch im Krankenhaus.

Rumänien trauert um 29 Tote bei Feuer in Bukarester Nachtclub
Robert Ghement Rumänien trauert um 29 Tote bei Feuer in Bukarester Nachtclub

80 bis 90 davon seien sehr schwer bis lebensgefährlich verletzt, sagte Gesundheitsminister Nicolae Banicioiu. Als wahrscheinliche Ursache des Unglücks am Vorabend zu Halloween gilt eine Feuerwerksshow während des Konzerts einer Bukarester Band, bei der eine Massenpanik ausbrach.

Für die Pyrotechnik im Keller-Club «Colectiv» hatte es keine behördliche Genehmigung gegeben. Zudem war das Lokal nach Schätzung des Innenministers Gabriel Oprea am Freitagabend völlig überfüllt: 300 bis 500 Gäste in einem Raum von 425 Quadratmetern. In seinem Gesuch für eine Betriebsgenehmigung hatte der Eigentümer angegeben, dass er maximal 80 Besucher in sein Lokal einlassen wolle.

Staatspräsident Klaus Iohannis gab dem Betreiber des Lokals die Schuld. «Die Tragödie ist geschehen, weil einfache Regeln ignoriert wurden», sagte er nach einem Besuch an der Unglücksstelle.

«Bukarest ist eine Mausefalle», weil «kriminelle Gleichgültigkeit» der Stadtväter solche Unfälle produziere, schimpfte der rumänische Schriftsteller Mircea Cartarescu bei Facebook. 

Augenzeugen berichteten, dass ein Feuerwerk während des Konzerts der Bukarester Metalcore-Band Goodbye to Gravity zunächst eine mit Schallschutz-Schaum verkleidete Säule in der Nähe der Bühne entzündet habe. Sekunden später hätten Decke und Wände gebrannt. Daraufhin sei es zu einer Massenpanik gekommen, bei der viele Menschen niedergetrampelt wurden. Dicker Rauch reizte die Atemwege und behinderte die Sicht. Zudem sei einer der zwei Ausgänge des Lokals blockiert gewesen.

Da nach dem Konzert ursprünglich eine Halloween-Party geplant war, richtete sich der Volkszorn auch gegen diesen Brauch. «Halloween, das makabre westliche Fest, ist unter der Maske dummer Vergnügungen eine wahrhaftige Beschwörung der Dämonen und Höllenkreaturen» und gelte «für Satanisten als wichtigstes Fest», hieß in einer Petition auf petitieonline.ro. Die in Rumänien vorherrschende christlich-orthodoxe Kirche äußerte sich dazu zunächst nicht, sondern sprach den Angehörigen der Unglücksopfer ihr Beileid aus.

Rumäniens oberste Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen gegen Unbekannt. Sie erwägt sogar eine Mordanklage. Als Ersatz für die fehlende Pyrotechnik-Genehmigung habe der Eigentümer des Lokals schriftlich gegenüber der Stadtverwaltung die Verantwortung für das Feuerwerk übernommen. Ob dies rechtlich zulässig ist, prüfen nun die Staatsanwälte.

Etwa 7000 Menschen zogen am Sonntag in Bukarest in einem Trauermarsch zum Club «Colectiv». Die Zahl ist für rumänische Verhältnisse hoch. Selbst politische Protestdemos ziehen selten mehr als 1000 Menschen an. Rumänien bekam nach dem Unglück zahlreiche Beileidsbekundungen aus dem Ausland, darunter vom EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker und vom Präsidenten der Europäischen Rats, Donald Tusk.