Rund 30 Zivilisten bei Beschuss in Ostukraine getötet

Bei einem Raketenangriff auf ein Wohnviertel der ostukrainischen Stadt Mariupol sind nach Behördenangaben rund 30 Menschen getötet worden. Fast 100 weitere seien verletzt worden. Die Hafenstadt wird von ukrainischen Regierungstruppen gehalten.

Rund 30 Zivilisten bei Beschuss in Ostukraine getötet
Sergey Vaganov Rund 30 Zivilisten bei Beschuss in Ostukraine getötet

Die prorussischen Separatisten begannen zugleich ihre angekündigte Großoffensive mit einem Angriff auf Mariupol. Das ukrainische Militär und die Aufständischen beschuldigten sich gegenseitig, für den Beschuss des Wohngebiets am Samstag verantwortlich zu sein.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) ist jedoch davon überzeugt, dass dieser Angriff aus Gebieten gestartet wurde, die von den prorussischen Separatisten kontrolliert werden. Ukrainische Medien zeigten Bilder von brennenden Autos und einer schwarzen Rauchsäule über dem Vorort von Mariupol.

Die Aufständischen sprachen von einer Provokation der prowestlichen Führung in Kiew. Sie hätten keine Geschütze mit einer entsprechenden Reichweite in der Gegend stationiert, hieß es. Erst am Donnerstag waren beim Beschuss einer Bushaltestelle in der von den Separatisten gehaltenen Großstadt Donezk zahlreiche Zivilisten getötet worden. Armee und Aufständische gaben sich auch dafür gegenseitig die Schuld.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Raketenangriff scharf. Die Raketen scheinen wahllos auf von Zivilisten bewohntes Gebiet abgefeuert worden zu sein, was ein Verstoß gegen internationales humanitäres Recht wäre, betonte er. US-Außenminister John Kerry nannte es unverantwortlich und gefährlich, dass Russland die Separatisten mit modernsten Waffen versorge, und drohte mit weiterem Druck auf Moskau. EU und Nato forderten Russland auf, die Unterstützung für die Separatisten einzustellen. Moskau bestreitet, den Separatisten mit Soldaten und Waffen zur Seite zu stehen.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko berief für diesen Sonntag den Nationalen Sicherheitsrat ein. In Telefonaten beriet er mit EU-Ratspräsident Donald Tusk und der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini über die Lage. Regierungschef Arseni Jazenjuk forderte eine Krisensitzung des UN-Sicherheitsrates. Lettland verlangte ein außerordentliches Treffen der EU-Außenminister.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hält trotz der Eskalation an den deutschen Vermittlungsbemühungen fest. «Das scheint mir nach wie vor der richtige Weg zu sein», sagte er bei einem Besuch in Algerien. «Aber wir müssen klar sehen, dass dieses Bemühen von einigen hintertrieben wird.» Für den Raketenangriff in Mariupol machte Steinmeier die Separatisten verantwortlich und sprach von einer «hochgefährlichen Situation».

Die neue Gewalteskalation untergräbt Hoffnungen auf eine friedliche Lösung des Konflikts. Seit einem Krisentreffen der Außenminister Deutschlands, Russlands, der Ukraine und Frankreichs am Mittwoch in Berlin hat sich die Lage im Bürgerkriegsgebiet verschärft. Dutzende Zivilisten wurden getötet. In dem Konflikt kamen nach UN-Angaben seit April 2014 mehr als 5000 Menschen ums Leben.