Russische Justiz klagt Greenpeace-Aktivisten wegen Piraterie an

Zwei Wochen nach dem spektakulären Greenpeace-Protest in der Arktis hat die russische Justiz mehrere Umweltschützer als Piraten angeklagt.

Russische Justiz klagt Greenpeace-Aktivisten wegen Piraterie an
Dmitri Sharomov / Greenpeace Int Russische Justiz klagt Greenpeace-Aktivisten wegen Piraterie an

Ermittler in der Stadt Murmansk leiteten zunächst gegen mehr als 20 der insgesamt 30 verhafteten Besatzungsmitglieder des Aktionsschiffs «Arctic Sunrise» offiziell Verfahren wegen bandenmäßiger Piraterie ein, wie Greenpeace am Donnerstag mitteilte. Ihnen drohen jeweils bis zu 15 Jahre Haft. Von russischer Seite gab es zunächst keine Stellungnahme. Die Bundesregierung hatte sich besorgt über das Vorgehen der Justiz gezeigt.

Unter den Angeklagten sind auch der bekannte russische Fotograf Denis Sinjakow, der von Greenpeace engagiert worden war, um über die Aktion zu berichten, sowie der britische Videoreporter Kieron Bryan. Die Umweltorganisation dankte ihren Unterstützern für die weltweite Solidarität und die Proteste gegen Russland. Auch in Deutschland gab es Demonstrationen gegen das Vorgehen der russischen Behörden. Deutsche sind nicht unter den Inhaftierten.

Greenpeace wies die russischen Vorwürfe als «unzutreffend, unbegründet und illegal» zurück und kündigte an, bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg zu ziehen. Greenpeace-Direktor Kumi Naidoo kritisierte das Vorgehen als «schwerste Bedrohung des friedlichen Umweltprotests» seit der Versenkung des Aktionsschiffs «Rainbow Warrior» in Auckland 1985 durch französische Geheimagenten. Damals kam ein Aktivist ums Leben.

Die Juristen der Umweltschützer aus 19 Ländern hätten nun Einspruch gegen die Haftbefehle eingelegt, hieß es. Eine erste Gerichtsverhandlung dazu erwartet Greenpeace nach eigener Darstellung an diesem Freitag.

Bei der Aktion, die der russische Inlandsgeheimdienst FSB am 19. September gewaltsam beendet hatte, habe es sich um einen friedlichen Protest in der Petschorasee gehandelt, hieß es. Die Männer und Frauen hatten versucht, auf die Ölplattform «Priraslomnaja» des Staatsunternehmens Gazprom zu gelangen. Nach eigenen Angaben wollten sie dort ein Transparent befestigen.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte, die «absurden und schädlichen» Piraterie-Anklagen fallenzulassen. Kremlchef Wladimir Putin hatte betont, die Greenpeace-Leute hätten zwar gegen internationales Recht verstoßen. Sie seien aber keine Piraten.

Weltweit protestierten nach Greenpeace-Angaben bislang mehr als 775 000 Menschen in Schreiben an russische Botschaften gegen das Vorgehen der Behörden. In Berlin ketteten sich zwei Aktivisten an eine Erdgas-Tanksäule von Gazprom.

Die Umweltschützer werfen Gazprom vor, mit Bohrungen das Ökosystem der äußerst sensiblen Arktis zu gefährden. Ein Leck hätte ihrer Ansicht nach katastrophale Folgen für die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt der noch weitgehend unberührten Region. Dort wird etwa ein Viertel der globalen Öl- und Gasvorräte vermutet.