Russland bombt in Syrien - Nato-Truppen in die Türkei?

Angesichts der russischen Militärintervention in Syrien denkt die Nato laut über eine Verstärkung ihrer Truppen im Süden des Bündnisgebietes nach.

Schon jetzt gebe es die nötigen Fähigkeiten und die Infrastruktur, um die schnelle Eingreiftruppe (NRF) in den Süden zu schicken», sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel. Die Türkei liegt zwar im Südosten des Bündnisgebiets, doch in Sprachgebrauch der Nato gilt das als Süden. Russland setzte zugleich seine massive Unterstützung für eine Bodenoffensive des syrischen Regimes fort und bombardierte erneut Rebellen-Stellungen aus der Luft.

Zum Auftakt eines Treffens der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel erklärte Stoltenberg, denkbar sei etwa eine Stationierung von Truppen auf dem Territorium des Bündnispartners Türkei. Russische Jets waren am Wochenende unerlaubt in den türkischen Luftraum eingedrungen.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte: «Es ist klar und unmissverständlich von der Nato gesagt worden, dass wir zu unserem Nato-Partner, der Türkei, stehen, und dass wir ganz klare Vorstellungen auch davon haben, dass das Nato-Territorium geschützt wird.» Was man angesichts des Ukraine-Konflikts im Baltikum tue, werde man auch in der Türkei tun.

Russland hatte in der vergangenen Woche mit Luftangriffen in Syrien begonnen und argumentiert, damit die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekämpften zu wollen. Mehr als 90 Prozent der bisher von den USA registrierten russischen Luftangriffe galten jedoch nicht dem IS oder Terroristen, die mit Al-Kaida verbündet sind. Die Luftschläge seien weitgehend gegen Oppositionsgruppen gerichtet, die eine bessere Zukunft für Syrien wollten und die gegen einen Verbleib des Regimes seien, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, John Kirby.

Stoltenberg nannte das russische Eingreifen in den Syrien-Konflikt besorgniserregend. «Wir werden prüfen (...), was die jüngsten Entwicklungen für die Sicherheit des Bündnisses bedeuten», erklärte er. Er forderte Russland auf, die Unterstützung für das Regime von Machthaber Baschar al-Assad einzustellen. Dies sei kein konstruktiver Beitrag zur friedlichen und dauerhaften Lösung des Konflikts.

Russische Jets griffen die syrischen Rebellen am Donnerstag in den Provinzen Hama und Idlib an, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete. Dort hatte Syriens Armee am Vortag mit russischer Luftunterstützung eine Bodenoffensive gegen moderate und radikale Regimegegner begonnen, zu denen auch die Nusra-Front gehört, ein syrischer Ableger von Al-Kaida. IS-Stellungen gibt es in dem Gebiet nicht. Die Rebellen bedrohen von hier aus die Küstenebene um die Stadt Latakia, eine der wichtigsten Hochburgen des Assad-Regimes.

Syriens Generalstabschef Ali Abdullah Ajub erklärte am Donnerstag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana, ein Großangriff habe begonnen. Russlands Luftangriffe hätten die Kampfkraft des IS und «anderer terroristischer Gruppen» geschwächt. Assads Truppen werden bei der Offensive von Kämpfern aus dem Iran und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt.