Russlands Fluglinie Aeroflot gründet Billigflieger

Russlands größte Fluglinie Aeroflot will sich mit einer eigenen Billigflug-Tochter aus finanziellen Turbulenzen befreien.

Die erste Maschine des neuen Unternehmens Dobroljot solle bereits Mitte 2014 abheben, sagte der Chef des Staatsunternehmens, Witali Saweljew. Der Konzern will damit auch vom massiv wachsenden innerrussischen Luftverkehr profitieren und der Staatsbahn RZD Konkurrenz machen.

Flugtickets für Dobroljot sollen bis zu 40 Prozent billiger angeboten werden als bei Aeroflot und wären damit günstiger als viele Zugkarten. Inlandsflüge kosten derzeit in Russland häufig mehr als vergleichbare Auslandsstrecken. Schon in fünf Jahren rechnet Saweljew mit jährlich zehn Millionen Passagieren. Die Erwartung, die Marktanteile von derzeit knapp 40 Prozent weiter auszubauen, ist nach Ansicht von Experten größer als die Furcht, sich selbst Konkurrenz zu machen.

Der Aeroflot-Überschuss war zuletzt wegen gestiegener Kerosin- und Wartungskosten im ersten Halbjahr 2013 um fast 80 Prozent auf rund 1,5 Millionen US-Dollar (1,1 Millionen Euro) eingebrochen. Dabei hatte Aeroflot kürzlich erstmals seit dem Ende der Sowjetunion mehr als zwei Millionen Passagiere im Monat gezählt.

Saweljew verfolgt ehrgeizige Ziele: Bereits in zwei Jahren soll Dobroljot einen Marktwert von 1,4 Milliarden US-Dollar erreichen. Das wäre annähernd soviel wie Aeroflot mit derzeit etwa 1,9 Milliarden Dollar. In der ersten Phase erhält der Lowcost-Carrier, benannt nach dem 1923 gegründeten Aeroflot-Vorgänger, acht neue Flugzeuge vom Typ Boeing 737-800. Später soll die Flotte auf 40 Maschinen wachsen.

Zunächst sind neun innerrussische Verbindungen geplant, darunter auf den beliebten Strecken von Moskau in die Touristenmetropole St. Petersburg und in die Millionenstadt Jekaterinburg. 2016 stehen mit Kiew, Eriwan und Istanbul die ersten Auslandsziele auf dem Flugplan. Als Heimatflughafen ist der Moskauer Airport Domodedowo vorgesehen.

Der Start des neuen Billigfliegers ist aber noch nicht hundertprozentig geklärt. Voraussetzung sei, dass die Staatsduma den Verkauf nicht erstattbarer Tickets sowie das Engagement ausländischer Piloten genehmige, sagte Saweljew. «Sonst wird Dobroljot nicht fliegen.» Die ersten beiden russischen Billiglinien - SkyExpress und Avianova - waren schon nach kurzer Zeit 2011 pleitegegangen. Aus dem Ausland fliegen derzeit nur zwei Lowcost-Carrier nach Russland: Wizz Air mit Sitz in Ungarn und die britische Easyjet.