RWE in der Krise: Aufsichtsrat plädiert für Brandt

Der angeschlagene Energieriese RWE hat die Weichen für die Wahl seines neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gestellt.

Das Kontrollgremium erklärte am Freitag nach einer Sitzung in Essen, der frühere SAP-Vorstand Werner Brandt sei ein «sehr geeigneter Kandidat (...) für die Kontinuität im Aufsichtsrat auch in einer möglichen Wahl als zukünftiger Aufsichtsratsvorsitzender». Brandt ist der Kandidat des jetzigen Aufsichtsratschefs Manfred Schneider. Schneiders Nachfolger wird im Frühjahr 2016 nach der Hauptversammlung gewählt.

Die Kommunen als wichtige RWE-Aktionäre hatten für Ex-Bundeswirtschaftsminister Werner Müller gekämpft. Sie konnten sich im Gremium aber offensichtlich nicht durchsetzen. Beobachter sehen darin auch eine Stärkung des Vorstandsvorsitzenden Peter Terium. Der 61-jährige Brandt, der bereits einen wichtigen Ausschuss des Aufsichtsrates leitet, gilt als abwägend, analytisch und eher zurückhaltend. Müller verkörpert dagegen eher den Typen des aktiven Aufsichtsrates, der Einfluss auf die Führung des Unternehmens nimmt.

Bei RWE sind die Gewinne deutlich eingebrochen. Anfang der Woche gab es einen spektakulären Absturz der Aktie, Börsenfachleute halten neuerdings sogar ein Ausscheiden von RWE aus dem Dax für möglich. Der neue Aufsichtsratschef soll vom Frühjahr 2016 an helfen, beim Stromkonzern das Steuer herumzureißen.

Nach Medienberichten stehen bei RWE auch Vorentscheidungen für die Besetzung neuer RWE-Vorstände für Kraftwerke, Netze, Vertrieb und Erneuerbare Energien an, die Anfang 2017 ihr Amt antreten. Dazu gab es nach der Aufsichtsratssitzung keine Aussagen. Solche Personalspekulationen zu Aufsichtsrat und Vorstand schadeten dem Unternehmen, erklärte der Aufsichtsrat. Der neue Aufsichtsratschef soll im Dezember offiziell vorgeschlagen und nach der Hauptversammlung im Frühjahr gewählt werden.