Ryanair reagiert auf Kunden-Schelte und lockert Bedingungen

Der Billigflieger Ryanair reagiert auf massive Kritik an seinem Service und will mit Verbesserungen sein Image aufpolieren. So erlaubt die Fluggesellschaft bald statt nur einem ein zusätzliches kleines Handgepäckstück.

Ryanair reagiert auf Kunden-Schelte und lockert Bedingungen
Markus Scholz Ryanair reagiert auf Kunden-Schelte und lockert Bedingungen

Zudem wird das Aufgeben von Koffern am Schalter um die Hälfte billiger und künftig 30 statt wie bisher 60 Euro kosten, wie die irische Fluglinie am Freitag bekanntgab. «Wir hören unseren Kunden zu und reagieren auf sie», erklärte Ryanair-Chef Michael O'Leary. Die Regelungen sollen in den kommenden Monaten bis Ende März 2014 umgesetzt werden.

Auch weitere von Kunden als Ärgernis empfundene Regelungen werden abgeschafft oder gelockert: Tippfehler bei der Buchung, etwa beim Namen, können künftig 24 Stunden lang kostenlos berichtigt werden - bislang fiel dafür eine Gebühr an.

Vom 1. November an bietet Ryanair vor 8 Uhr morgens und nach 21 Uhr abends «leise Flüge» ohne Extra-Durchsagen sowie mit gedimmten Licht an. Wer im Internet eingecheckt hat, aber seinen Boarding Pass am Flughafen vergisst, der zahlt für die Neuausstellung künftig 15 Euro statt wie bisher 70 Euro.

O'Leary war Anfang der Woche beim Kurznachrichtendienst Twitter mit Kritik und Beschimpfungen überschüttet worden. Ryanair wirbt seit Jahren damit, die günstigste Airline Europas zu sein. Viele Kunden sind jedoch sauer wegen der Verkaufsmethoden des Billigfliegers. Unter anderem monieren sie, dass für Sonderleistungen wie Gepäckbeförderung hohe Aufpreise verlangt würden.

Neben den Imageproblemen hat der jahrelang im Höhenflug schwebende Billigfluganbieter in den vergangenen Monaten durch höhere Treibstoffkosten und sinkende Nachfrage finanzielle Einbußen hinnehmen müssen. Im ersten Geschäftsquartal von April bis Ende Juni stand unter dem Strich ein Überschuss von 78 Millionen Euro und damit 21 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Wegen zurückgehender Buchungen wurde die Prognose heruntergesetzt. Der Gewinn nach Steuern werde im laufenden Geschäftsjahr (31. März) vermutlich am unteren Ende der Prognosespanne von 570 bis 600 Millionen Euro liegen, teilte Ryanair Anfang September mit.