S04 schöpft Kraft aus Real-Pleite - Gegen Bremen punkten

Enttäuscht, aber nicht frustriert oder gar mutlos: Der FC Schalke 04 will sich durch die abermalige Niederlage gegen Real Madrid nicht aus der Bahn werfen lassen.

Schon wenige Minuten nach dem aus Sicht des Revierclubs achtbaren 0:2 im Achtelfinal-Hinspiel gegen den übermächtigen Titelverteidiger riefen die Verantwortlichen dazu auf, die Partie richtig einzuordnen und Kraft für die kommenden Aufgaben in der Fußball-Bundesliga daraus zu schöpfen.

«Wir müssen nach dem Champions-League-Abend jetzt schnell einen Cut im Kopf machen. Mit Werder Bremen erwarten wir Samstag die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga. Unser Gegner weiß derzeit gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, wenn man verliert», sagte Manager Horst Heldt und fügte hinzu: «Das möchten wir ändern.»

Der Sportvorstand weiß, dass Real nicht unbedingt der Maßstab ist für das im Umbruch befindliche Knappen-Team. Gleichwohl konstatierte er Fortschritte. «Wenn man die Begegnung mit dem Auftritt im Vorjahr vergleicht, war das schon ein Unterschied. Nichtsdestotrotz bleibt es dabei, dass wir gegen eine Weltklasse-Mannschaft gespielt haben, die nur wenig Chancen benötigt», stellte Heldt fest. «Ich kann der Mannschaft für ihre Einstellung und ihren Auftritt nur ein Kompliment machen. Wir können erhobenen Hauptes vom Platz gehen.»

Nicht nur Heldt tröstet sich damit, dass man es zumindest geschafft habe, sich gegen Mannschaften «wie den FC Bayern und Madrid zu behaupten». Dennoch macht das Gastspiel der Königlichen, die Schalke vor zwölf Monaten mit 6:1 an selber Stelle gedemütigt hatten, deutlich: Der Bundesliga-Vierte, der zum dritten Mal nacheinander in der K.o.-Runde der Königsklasse steht, ist von den europäischen Spitzenclubs wie Bayern, Chelsea oder Real noch immer ein großes Stück entfernt. Was aber bei den gänzlich unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten auch nicht weiter verwundert.

Es ist keine große Fantasie oder besonderer Fußball-Sachverstand vonnöten, um vorauszusagen, dass für Schalke im Achtelfinale wieder Endstation sein wird. Das Rückspiel am 10. März hat nur statistische Bedeutung, auch wenn einige den Traum von der Sensation noch nicht begraben wollen. «Wir werden versuchen, auch in Madrid defensiv kompakt zu stehen und über Standard- und Kontersituationen gefährlich zu sein. Wir haben uns noch nicht aufgegeben, und es hat schon viele kleine Fußballwunder gegeben», formulierte Benedikt Höwedes tapfer.

Roberto Di Matteo vermag das Leistungslimit seiner Elf sehr gut einzuschätzen. Der Trainer hat es seit Oktober aus der Not heraus immerhin geschafft, dem Team mit der Systemumstellung eine stabile Grundordnung und dadurch mehr Selbstsicherheit zu verleihen. Im Spiel nach vorn ist Schalke zurzeit trotz guter Ansätze limitiert, auch weil durch die Langzeitverletzten wie Julian Draxler oder Jefferson Farfán wichtige Offensiv-Alternativen mit großer Qualität fehlen.

Gegen die nicht in Bestform agierende und ebenfalls verletzungsgeschwächte Welt-Auswahl aus Madrid wehrte sich Schalkes Defensive 25 Minuten lang überaus geschickt - bis Cristiano Ronaldo seine angebliche Formkrise mit dem 1:0 (26. Minute) beendete. Im Rücken von Joel Matip entwischte der Weltfußballer und nickte die Maßflanke von Dani Carvajal ins Netz des ansonsten vom jungen Timon Wellenreuther bestens gehüteten Schalker Tores.

Doch wer will dem 19 Jahre alten Fährmann- und Giefer-Vertreter einen Vorwurf machen, dass er wie beim 0:1 in Frankfurt einen Schritt aus seinem Gehäuse machte, der ihn um die Abwehrchance brachte? Wer will den zweiten Europapokal-Frischling, Felix Platte (19), der wegen Huntelaars Ausfall ins kalte Wasser geworfen wurde, kritisieren, dass der Ball nach seinem frechen Schuss aus 18 Metern (74.) an die Latte klatschte? Stattdessen stellte Marcelo (79.) Reals neunten Sieg in der Königsklasse nacheinander sicher - und machte den Unterschied zwischen Schalke und der europäischen Spitze klar.