Sagan löst Cavendish in Gelb ab - Contador quält sich

Erst Mark Cavendish, dann Weltmeister Peter Sagan: Die ersten Träger des Gelben Trikots zum Auftakt der 103. Tour de France haben die hochgehandelten Hoffnungsträger Marcel Kittel und André Greipel in den Schatten gestellt.

Sagan löst Cavendish in Gelb ab - Contador quält sich
Sebastien Nogier Sagan löst Cavendish in Gelb ab - Contador quält sich

Die beiden deutschen Top-Sprinter starteten die Tour am Samstag am Utah Beach mit einer bitteren Enttäuschung auf Platz zwei und vier. Ihre Stunde könnte aber am Montag schon wieder schlagen auf der Flachetappe nach Angers.

Am Sonntag in Cherbourg triumphierte am Ende einer 1,9 Kilometer langen Steigung Sagan als Tagessieger im Ziel der zweiten Etappe und neuer Spitzenreiter. Nach 188 Kilometern verwies der Slowake, in den vergangenen vier Jahren in Paris Träger des Grünen Trikots, den Franzosen Julien Alaphilippe und den Spanier Alejandro Valverde auf die Plätze. Sagan schlüpfte zudem erstmals ins Gelbe Trikot.

Paul Voß aus Rostock verlor sein am Vortag errungenes Bergtrikot, obwohl er zu Beginn in einer vierköpfigen Spitzengruppe fuhr, um seine Chancen zu optimieren. Aber er konnte nicht punkten, obwohl Teamkollege Cesare Benedetti an seiner Seite fuhr. Immerhin fuhren die Vier mehr als 170 Kilometer an der Spitze. Der Belgier Jasper Stuyven, der Voß im rot-weiß-gepunkteten Trikot ablöste, wurde in einem packenden Sekundenspiel um Gelb und den Tagessieg im Finale sogar erst 400 Meter vor dem Ziel von Sagan und Co. überholt.

Am Vorabend hatte Greipel im Trikot der Fußball-Nationalmannschaft nach seiner bitteren Niederlage vor dem Fernseher wenigstens noch ein bisschen Freude. Auch wenn der Jubel vom Nachbartisch, an dem Cavendish seinen großen Tag feierte, seine Laune im Teamhotel in Bayeux nicht gerade hob. Kittel konnte sich kaum mit dem Grünen Trikot trösten, das er in Vertretung von Cavendish trug.

Greipel hatte sich bei den Tour-Organisatoren über die Absperrgitter beschwert, die die Zielgerade beengten. Sie waren womöglich am Samstag verantwortlich für den Sturz mehrerer Fahrer 500 Meter vor der Ziellinie, der die Sprinter in der entscheidenden Phase gehörig aus dem Rhythmus gebracht hatte. «Ich habe auch die Gitter berührt und wäre fast gestürzt. Mehr als Platz vier war nicht drin», ärgerte sich der dreimalige deutsche Meister, der seine Premiere in Gelb weiter verschieben muss.

Kittel nahm die verpasste Chance, zum dritten Mal nach 2013 und 2014 den Auftakt der Tour in Gelb zu beenden, eher gelassen. «Es hätte alles stimmen müssen, aber es hat einfach nicht gepasst. Ich weiß, dass die Mannschaft stark ist. Das Ergebnis hat nur nicht perfekt gepasst», erklärte der blonde Thüringer, der auf dem Streckenplan noch mindestens fünf weitere Möglichkeiten für die Sprinter ausgemacht hat.

Alberto Contador hatte es weit schwerer erwischt als die deutschen Elite-Sprinter. Der Spanier war 79 Kilometer vor dem Ziel an einer Verkehrsinsel weggerutscht. «Die Verletzungen sind oberflächlich, aber es wird schwer heute. Ich bin glücklich, dass ich heute hier am Start stehe», hatte der Spanier zum Auftakt der zweiten Etappe am Start in Saint Lô erklärt. Seine Ärzte hatten zuvor schwere Abschürfungen und Prellungen an Schulter, Becken und Ellenbogen diagnostiziert - nicht die besten Voraussetzungen für den angepeilten Toursieg Nummer drei.

Am Sonntag erwischte es Contador wieder. Er war zusammen mit Tony Martin und Kittel 120 Kilometer vor dem Ziel in einen Massensturz im Feld verwickelt. Nach ersten Diagnosen verletzten sich die Fahrer nicht schwerwiegender, Martin und Kittel hatten Blessuren am Knie.