Salzgitter hofft nach drittem Verlustjahr auf 2015

Deutschlands zweitgrößter Stahlkocher Salzgitter muss sein drittes Verlustjahr in Folge verkraften. 2014 standen unter dem Strich rund 32 Millionen Euro Fehlbetrag, wie der MDax-Konzern mitteilte.

Das ist zwar im Vergleich zum Vorjahr (2013: minus 490 Mio Euro) eine enorme Verbesserung. Doch ausgerechnet nach dem Überschuss im vergangenen Sommer verkehrte sich die Situation zum Jahresende wieder ins Gegenteil: Mit fast 20 Millionen Euro Minus brachten die letzten drei Monate 2014 gut 60 Prozent des gesamten Verlustes des vergangenen Jahres ein.

Der Umsatz ging 2014 um fast 3 Prozent auf 9 Milliarden Euro zurück, was das Unternehmen mit dem Preisdruck erklärte. Vor Steuern ergab sich noch ein Verlust von 15,2 Millionen Euro (2013: 483 Mio Euro). Laut neuer Prognose soll es 2015 einen kleinen Vorsteuergewinn geben.

Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann berichtete von einer aktuellen Verbesserung in Richtung eines ausgeglichenen Vorsteuerergebnisses. Das Sanierungsprogramm «Salzgitter 2015» trage Früchte. Europas Stahlkocher sind seit längerem im Sog einer Krise aus Auslastungsmangel und Preisverfall. Zuletzt hielt der europäische Stahlbranchenverband Eurofer selbst bei normaler Nachfrage ein Viertel der Produktionskapazität für zu viel.

Der deutsche Stahlverband rechnet für 2015 zwar mit Mini-Zuwächsen bei Produktion und Nachfrage. Doch NordLB-Analyst Holger Fechner warnt: «Ungeachtet der positiven Mengenentwicklung bleibt die Lage in der Stahlindustrie aufgrund der konjunkturellen Unsicherheiten weiter herausfordernd.» Die Überkapazitäten seien ein ungelöstes Problem und zunehmende Stahlimporte täten ihr Übriges.

Auch Fuhrmann warnte, die eingedämmten Verluste überzubewerten: «Diese unzweifelhaften Erfolge dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir noch eine harte Wegstrecke in Richtung allseits zufriedenstellender wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit zurückzulegen haben.» Mitte 2013 hatte der Konzern begonnen, 1500 Stellen abzubauen. Die Einschnitte trafen vor allem das Stahlträgerwerk in Peine.

Bangen müssen die Beschäftigten beim Röhrenbauer Europipe in Mülheim an der Ruhr. Das Gemeinschaftsunternehmen von Salzgitter und der Dillinger Hütte hängt nach dem Aussetzen des Gaspipeline-Projekts South Stream mit Russland in der Luft. Der Stopp des Vorhabens brachte Salzgitter Verluste im unteren zweistelligen Millionenbereich. In den vorgelegten Eckdaten heißt es, die «Beschäftigungslücken» seien absehbar. Ein Sprecher sagte, man setzte sich mit dem Thema Kurzarbeit auseinander, es sei aber noch nichts beschlossen. Der Geschäftsbericht mit allen Details folgt am 27. März.