SAP kassiert Prognosen wegen Konzernumbau

SAP baut um - künftig sollen Softwareprogramme mehr und mehr vermietet werden. Das hat den Vorteil, dass die Umsätze planbarer werden. Allerdings kostet der Umbau den Softwarekonzern erst einmal Geld - und die Mitarbeiter Nerven.

Der Softwarekonzern SAP kassiert wegen des Umbaus zum Abo-Modell seine Prognosen. Anstatt Softwarelizenzen zu verkaufen, will SAP künftig seine Programme mehr und mehr vermieten. Weil hohe Investitionen in dieses Geschäftsmodell des zukunftsträchtigen Cloud-Computing-Geschäfts in den nächsten Jahren den Gewinn schmälern werden, trennten sich viele Anleger von ihren Anteilen an Europas größtem Softwarekonzern. Die im Dax notierte Aktie verlor zeitweise mehr als vier Prozent.

SAP sieht im Cloud-Geschäft - bei dem Software und Speicherplatz in Rechenzentren gemietet werden - den großen Treiber. Bislang kam das Geld vor allem durch die Verkäufe neuer Software-Lizenzen herein. Im Zuge des Umbaus wird der Softwarekonzern zunächst weniger wachsen als ursprünglich geplant.

Bis 2017 soll der Umsatz nur noch auf 21 bis 22 Milliarden Euro steigen. Vor einem Jahr war SAP noch von mindestens 22 Milliarden Euro ausgegangen. Auch der Gewinn soll 2017 niedriger ausfallen als zunächst anvisiert.

«Wir werden weiter mit aller Energie auf ein deutlich besser vorhersehbares Geschäftsmodell hinarbeiten», sagte SAP-Chef Bill McDermott in Walldorf. SAP verkauft zwar weiter Softwarelizenzen, setzt aber wie andere Anbieter vermehrt auf das Abo-Modell. Der Vorteil, so Finanzchef Luka Mucic, die Umsätze sind verlässlicher und planbarer als beim einmaligen Verkauf von Software. Allerdings trägt SAP einen Teil der Kosten: «Gewinne kommen hier wegen höherer Investitionen zum Teil erst später», sagte Mucic.

Die Wachstumsaussichten beim Abo-Modell sind deutlich besser. 2014 stiegen die Umsätze mit Mietsoftware um rund 400 Millionen Euro, während die Erlöse mit Lizenzen um etwas mehr als 100 Millionen Euro zurückgingen. Noch sind die Umsätze mit Softwarelizenzen von SAP etwa aber vier Mal so hoch wie die Mieteinnahmen, die vergangenes Jahr 1,1 Milliarden Euro einbrachten. 2020 soll der Umsatzanteil mit Abo-Modellen bei etwa 30 Prozent liegen - aktuell sind es gut sechs Prozent. Insgesamt soll der Umsatz des Softwarekonzerns dann auf 26 bis 28 Milliarden Euro steigen.

Ursprünglich hatte SAP schon für 2015 mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz angepeilt. Davon ist nun nicht mehr die Rede. Dabei hatte der Softwarekonzern im vergangenen Jahr seine Ziele erfüllt. Die Erlöse stiegen um vier Prozent auf 17,6 Milliarden Euro. Der operative Gewinn ging wegen der Übernahme des US-Reisekostenspezialisten Concur um drei Prozent auf 4,3 Milliarden Euro zurück.

Auch an den Mitarbeitern geht der Wechsel des Geschäftsmodells nicht spurlos vorbei. SAP hatte im vergangenen Jahr einen großen Personalumbau angestoßen und für etwa drei Prozent seiner Mitarbeiter weltweit neue Stellen gesucht. Gekündigt worden sei bislang niemand, sagte ein Sprecher. Stattdessen habe SAP 3000 neue Mitarbeiter eingestellt. Nach der Concur-Übernahme beschäftigte der Konzern Ende 2014 gut 74 400 Mitarbeiter.

Ruhe dürfte in der Belegschaft allerdings nicht einkehren. Unter dem Titel «One Service» soll nun das Service- und Wartungsgeschäft an das veränderte Geschäftsmodell angepasst werden. «Das wird ein laufender Prozess sein», sagte McDermott. Wie genau dieser Teil des großen SAP-Umbaus aussehen soll, ist nicht bekannt. Der Betriebsrat hat in dem Zusammenhang vorsorglich den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen in Deutschland bis Mitte 2015 ausgehandelt.