Schaeffler beendet Ära Geißinger: Vorstandschef geht

Er gilt unter Gewerkschaftern als knallharter Manager, am Ende war auch sein Verhältnis zu den Gesellschaftern der Schaeffler-Gruppe belastet. Nun beschloss der Aufsichtsrat das Aus für den bisherigen Vorstandschef Jürgen Geißinger.

Der 54 Jahre alte Manager verlasse «in gegenseitigem Einvernehmen» das Unternehmen - und zwar mit sofortiger Wirkung, wie das Unternehmen mitteilte. Seine Aufgaben soll vorübergehend Finanzvorstand Klaus Rosenfeld übernehmen. Der Führungswechsel hatte sich bereits seit Wochen angedeutet, war aber bislang stets von den Schaeffler-Gesellschaftern und Aufsichtskreisen dementiert worden.

Im Umfeld des Unternehmens war von einer Vertrauenskrise zwischen Vorstandschef und Firmengesellschaftern die Rede. Geißinger habe zuletzt nicht mehr das Vertrauen der Schaeffler-Gesellschafterin Maria-Elisabeth Schaeffler und ihres Sohnes Georg gehabt. Die Zusammenarbeit zwischen dem Manager und Frau Schaeffler habe sich schwierig gestaltet. Dies sei keine gute Grundlage gewesen, den familiengeführten Konzern in die Zukunft zu führen, hieß es.

Offiziell ging das Unternehmen am Freitag nicht näher auf die Gründe für Geißingers Abgang ein. In einer Erklärung hieß es lediglich, mit dem Wechsel an der Spitze sei der Weg frei, um die Schaeffler-Gruppe und ihre Führung für die Zukunft neu auszurichten: «Wir werden unseren Wachstumskurs mit den dafür notwendigen Investitionen fortsetzen. Technologieführerschaft, Innovation, Qualität und Kontinuität bleiben die Leitlinien unseres Handelns.» Ein Nachfolger für Geißinger steht nach Informationen aus Firmenkreisen noch nicht fest.

Geißinger hatte den Autozulieferer seit 1998 geleitet. Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler hatte den Manager zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes nach Herzogenaurach geholt und ihn zum Chef ernannt. In Geißingers Ära fällt unter anderem die Übernahme des Autozulieferers Continental im Jahr 2008.

Der Kauf von Conti-Aktien hatte den fränkischen Familienkonzern damals allerdings in eine existenzbedrohende Schuldenkrise gestürzt - und Zweifel an Geißingers Wachstumsstrategie genährt. Der Schuldenberg hatte sich mit dem Kauf der Conti-Papiere zeitweise auf bis zu 11 Milliarden Euro aufgetürmt.