Schalke vor letztem Champions-League-Hurra

Ein Wunder von Bernabeu wollte niemand beschwören. Für die meisten Fußball-Profis des FC Schalke 04 ist die Reise zum Champions-League-Rückspiel bei Real Madrid am Dienstag ein unliebsames Déjà-vu.

Schalke vor letztem Champions-League-Hurra
Federico Gambarini Schalke vor letztem Champions-League-Hurra

Wie schon vor zwölf Monaten ist das Achtelfinal-Aus schon vor der zweiten Partie gegen die spanische Übermacht praktisch besiegelt. Beim Abflug mit der Sondermaschine DE 9184 von Düsseldorf hielt sich die Vorfreude in Grenzen. Obwohl die Ausgangslage nicht ganz so hoffnungslos wie im März 2014 ist, überwog die Skepsis. «Das können wir nicht mehr packen», bekannte Jungprofi Max Meyer, «ein Weiterkommen ist sehr unrealistisch.»

Nach dem 0:2 im Hinspiel geht es für den Bundesliga-5. in erster Linie um Schadensbegrenzung. Als Maßstab gilt das Spiel im vergangenen März, als sich der Revierclub nach einem desaströsen 1:6 vor heimischer Kulisse beim 1:3 in der Kultstätte des spanischen Fußballs achtbar schlug. «Wir können es gar nicht versuchen, daraus eine Kaffeefahrt zu machen», sagte Horst Heldt. Mehr beiläufig fügte der Schalker Sportvorstand an: «Natürlich wollen wir versuchen, das 0:2 aufzuholen. Aber das ist eine verdammt schwere Aufgabe.»

Rechtzeitig vor dem voraussichtlich letzten Hurra in dieser Champions-League-Saison ist immerhin die durch das 0:3 im Revierderby beim BVB verursachte schlechte Stimmung verflogen. Der starke Auftritt gegen Hoffenheim (3:1) macht Mut für die eigentlich unlösbare Aufgabe. An Motivation wird es den Schalkern nach Einschätzung von Mittelfeldspieler Tranquillo Barnetta trotz der wenig inspirierenden Ausgangslage nicht mangeln: «Dafür spielt man Fußball, dass man sich mit solchen Mannschaften messen kann. In Madrid gegen Real zu spielen, ist ein Highlight.»

Bis auf den gelbgesperrten Kevin-Prince Boateng waren alle zuletzt eingesetzten Profis beim Abflug dabei. Fraglich ist jedoch, ob die angeschlagenen Benedikt Höwedes, Marco Höger, Klaas-Jan Huntelaar und Eric Maxim Choupo-Moting wieder rechtzeitig fit werden. Vorsichtshalber gehörten vier Spieler aus den Schalker Jugendteams zur Reisegruppe. Der Einschätzung vieler Beobachter, dass der FC Schalke im Duell mit dem Titelverteidiger um den deutschen Weltmeister Toni Kroos ohnehin nichts zu verlieren habe, widersprach der gegen Hoffenheim als Doppeltorschütze gefeierte Meyer: «Wenn wir uns vorführen lassen, können wir auch verlieren.»

Möglicherweise gereicht es den Königsblauen zum Vorteil, dass beim Gegner Krisenstimmung herrscht. Nach dem 0:1 am Samstag in Bilbao musste das Team von Trainer Carlo Ancelotti die Tabellenführung in der Primera División an den Erzrivalen FC Barcelona abtreten. Das Sportblatt «Marca» sieht Real gar «im freien Fall». Vor allem der mit namhaften Profis wie Weltfußballer Cristiano Ronaldo, Karim Benzema und Gareth Bale besetzte Angriff ist derzeit kaum wiederzuerkennen. In den vergangenen zwei Partien gelang nur ein Tor - durch einen Ronaldo-Elfmeter beim 1:1 gegen den FC Villarreal.

Auf die lauter werdende Kritik an seinem angeblich zu laschem Umgang mit den Stars reagierte Ancelotti mit einem dezenten Hinweis: «Mit meiner weichen Hand habe ich immerhin dreimal die Champions League gewonnen.» Dem Gerede von einem schwächelnden Gegner kann Schalke-Manager Heldt ohnedies wenig abgewinnen: «Wenn Real ein Spiel verliert, bricht immer alles gleich zusammen. Aber für deren Verhältnisse ist es nur ein Mini-Krise.»

Real Madrid: Casillas - Carvajal, Pepe, Varane, Marcelo - Modric, Kroos, Isco - Bale, Benzema, Cristiano Ronaldo

FC Schalke 04: Wellenreuther - Höwedes, Matip, Nastasic - Uchida, Fuchs - Neustädter - Barnetta, Meyer - Choupo-Moting, Huntelaar

Schiedsrichter: Damir Skomina (Slowenien)