Schalker Frustabbau dank Ball-Dieb Huntelaar

Das Jagdfieber hatte den «Hunter» mal wieder gepackt. Nach seiner Drei-Tore-Show betätigte sich der Top-Stürmer sogar noch als Ball-Dieb.

Schalker Frustabbau dank Ball-Dieb Huntelaar
Bernd Thissen Schalker Frustabbau dank Ball-Dieb Huntelaar

Mit einem Lächeln schnappte sich Klaas-Jan Huntelaar nach dem 4:1 (2:1) des FC Schalke 04 gegen den FSV Mainz 05 das Spielgerät und gab es nicht mehr her. «Den Ball nehme ich nur mit, wenn ich dreimal treffe», erklärte der niederländische Ausnahme-Angreifer nach dem erfolgreichen Frustabbau. Dabei wusste der 31-Jährige nicht einmal, dass er eine beeindruckende Marke übertroffen hatte. Huntelaars Treffer zum 2:0 in der 25. Minute war sein 100. Pflichtspieltor beim 156. Auftritt für Königsblau. Bereits in der 9. Minute hatte er FSV-Keeper Loris Karius mit einem listigen Heber überwunden. Auch der 4:1-Schlusspunkt (61.) ging auf Huntelaars Konto, nachdem er dem eingewechselten Tranquillo Barnetta (54.) zuvor das 3:1 aufgelegt hatte.

Längst hatten die Schalke-Fans, die vier Tage zuvor beim desaströsen 0:5 gegen den FC Chelsea noch in Scharen geflüchtet waren, ihren Lieblingen verziehen. «In der Bundesliga wollten wir es natürlich unbedingt besser machen», betonte Huntelaar, der aber auch kritisch festhielt: «Leider haben wir noch zu viele Schwankungen in unseren Leistungen. Mal spielen wir konzentriert und mit großem Willen, an anderen Tagen finden wir nicht zu unseren Stärken.»

Irgendwie hat es Roberto Di Matteo geschafft, die bittere Lehrstunde in der Champions League aus den Spieler-Köpfen zu verdrängen. «Das war die beste Reaktion, die wir nach Dienstag zeigen konnten», befand der Trainer zufrieden. Der Italiener verwies auch noch mal darauf, dass man gegen «eines der besten Teams in Europa» verloren hatte.

In der Bundesliga wahrten die Knappen ihren Heimnimbus. Für Di Matteo war es vor allem eine Charakterfrage und daher ein «Sieg der Mannschaft, der Einheit». Er freute sich über Huntelaars Dreierpack, aber eigentlich sei es ihm egal, wer die Tore schießt. «Hauptsache, wir schießen welche. Wenn der Torwart trifft, ist es mir auch recht.»

Für die Rheinhessen bleibt die Arena eine schier uneinnehmbare Festung. In neun Bundesliga-Spielen auf Schalke gelang Mainz nur ein Sieg (Mai 2011). Dabei war nach dem zwischenzeitlichen Anschlusstor von Shinji Okazaki (44.) sogar kurz Hoffnung aufgekeimt. Am Ende war Trainer Kasper Hjulmand «sehr enttäuscht», beklagte die vier Gegentore. «Wir haben nicht gut verteidigt.» Präsident Harald Strutz ließ dagegen Milde walten. «Ich bin nicht frustriert. Sogar nach dem 1:4 haben wir noch alles versucht. Choupo-Moting und Huntelaar haben heute den Unterschied ausgemacht», sagte der Clubchef. «Ich bin sicher, dass wir nicht mit Angst zum Hamburger SV fahren.»

Dass der Revierclub auch ohne insgesamt elf (!) verletzte Profis im schon gegen Wolfsburg bewährten 3-5-2-System erstmals in dieser Saison den Sprung in die Europacup-Ränge geschafft hat, ist schon bemerkenswert. «Wir sind nicht weit weg von den vordersten Plätzen», stellte Huntelaar fest. Auch Christian Fuchs fühlt sich im offensiver ausgerichteten System wohl. Es habe schon gegen Wolfsburg gut funktioniert, meinte der Österreicher: «Deshalb war die Entscheidung des Trainers, daran festzuhalten, auch richtig.»

Richtig war auch Di Matteos Entschluss, in der Kreativ-Zentrale auf den jungen Max Meyer zu setzen. In der Länderspielpause habe der Trainer mit ihm länger gesprochen, berichtete Meyer. Seitdem blüht der Jungstar sichtlich auf. Gegen Mainz war er mehr als ein guter Ersatz für den angeschlagenen Kevin-Prince Boateng. «Es war Druck und Power nach vorne da», stellte Meyer zufrieden fest.