Schnappschüsse in Singapur: Rosberg feiert 200. F1-Rennen

Schlammbedeckt lächelte Nico Rosberg stolz in die Kamera. Vor seinem Formel-1-Jubiläumsrennen in Singapur erinnerte der Mercedes-Pilot augenzwinkernd an eine denkwürdige Ausfahrt als Elfjähriger mit seinem Vater Keke in Südfrankreich.

Schnappschüsse in Singapur: Rosberg feiert 200. F1-Rennen
Daniel Dal Zennaro Schnappschüsse in Singapur: Rosberg feiert 200. F1-Rennen

Vom Matsch völlig verdreckt ließ sich Rosberg junior damals in einem Buggy ablichten. 20 Jahre später warten auf ihn in Singapur weitere Schnappschüsse.

«Es ist verrückt, dass ich in diesem Jahr in Singapur mein 200. Formel-1-Rennen bestreiten werde», hatte er schon zu Saisonbeginn gesagt. Auf eine Party wegen des Jubiläums wird er in Singapur nun aber auf jeden Fall verzichten. «Es gibt keine Feier, für mich gibt es nichts zu feiern», stellte Rosberg am Donnerstag klar und hob als emotionalen Höhepunkt seiner Formel-1-Karriere den Sieg in seiner Wahlheimat Monaco 2014 hervor. Eine große Sause hebt er sich sicherlich für den möglichen Titelgewinn auf.

Die Frage ist, wie lange Rosberg noch darauf warten muss. Seit seinem Debüt im Williams 2006 hat sich der gebürtige Wiesbadener zu einem Spitzenpiloten entwickelt. Mittlerweile bestreitet der 31-Jährige seine siebte Saison für Mercedes und hat auch 21 Grand Prix gewonnen. Die Krönung blieb ihm aber versagt. Als zweimaliger Vizeweltmeister hinter seinem Teamkollegen Lewis Hamilton war Rosberg zweimal der erste Verlierer im Formel-1-Zirkus.

2017 erlebt die Formel 1 eine Saison mit tiefgreifenden Regeländerungen. Schafft Rosberg nun auch in diesem Jahr nicht den Coup, wird sein Ruf als ewiger Zweiter zementiert sein. Vater Keke mit einem WM-Titel sowie vor allem seine Landsleute Michael Schumacher mit sieben Championaten und Sebastian Vettel mit vier würden ihm dann voraus bleiben. «Ich habe gezeigt, dass ich kämpfen kann und zurückschlagen kann. Ich bin vollkonzentriert und fest entschlossen, dass dies mein Jahr werden kann», hatte Rosberg betont.

Mit zwei Siegen nach der Sommerpause hat sich Rosberg, der nach den ersten fünf Rennen schon 43 Punkte Vorsprung in der WM-Wertung auf Hamilton hatte, wieder bis auf zwei Zähler an den Briten herangearbeitet. Arbeit ist dabei ein Schlüsselwort: Rosberg hat unter anderem seine Starts verbessert.

Dafür müsse man «Zeit investieren», erläuterte er. «Starts haben dieses Jahr schon viele Rennen entschieden, Starts sind ein Baustein.» Zuletzt in Monza zahlte sich genau das aus. Während Hamilton auf den ersten Metern trotz Pole Position mal wieder abgehängt wurde, zog Rosberg davon.

«Nico hat eine fast wissenschaftliche, datengesteuerte Herangehensweise. Die Ratio spielt bei ihm eine große Rolle», beschrieb Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff einmal Rosberg. Hamilton sei zwar auch ein harter Arbeiter, aber «sehr instinktgesteuert». Die Detailversessenheit des Familienvaters Rosberg soll sein großes Plus auf der noch sieben Etappen langen Überseereise mit dem Finale in Abu Dhabi am 27. November sein. Hamilton äußerte sich indes nicht zum Jubiläum seines Teamrivalen. Auf die Frage, ob er einige Worte an Rosberg richten wolle, antwortete er: «Nicht wirklich, nein.»

Vor dem Nachtrennen in Singapur hat Rosberg Respekt. Siegen konnte er in dem Stadtstaat noch nie. In der vergangenen Saison kamen Hamilton und er in den Silberfeilen auf dem hell erleuchteten Kurs gar nicht zurecht. Der Brite fiel aus, Rosberg schleppte sich als Vierter ins Ziel. Vettel kürte sich damals im Ferrari zum Rekordsieger des Rennens. Nun will Rosberg endlich in Singapur jubeln - im ganz großen WM-Finale am Saisonende wäre es ihm aber viel lieber.