Schriftstellerin Benoîte Groult gestorben

Als «Frauen-Porno» und «Hymne an den Phallus» war ihr Roman «Salz auf unserer Haut» anfangs verschrien. Benoîte Groult hatte mit ihrer Geschichte einer wilden Sexaffäre zwischen einer Pariser Intellektuellen und einem Fischer Millionen von Leserinnen und Lesern ergötzt, aber auch viele vor den Kopf gestoßen.

Schriftstellerin Benoîte Groult gestorben
Hubert Link Schriftstellerin Benoîte Groult gestorben

Mit 68 Jahren hatte sie den Roman, der heute zu den Klassikern der erotischen Literatur zählt, als Ich-Erzählerin geschrieben. Jetzt ist die Schriftstellerin und Feministin im Alter von 96 Jahren gestorben.

Einen zwanghaften Drang nach dem Leben, so nannte sie ihre Philosophie einmal. Sie habe in ihrem Leben kein Gelöbnis der Monogamie abgelegt, sagte sie in einem Interview. Noch im hohen Alter nahm die gebürtige Pariserin kein Blatt vor den Mund. Ihr Kampf galt den Rechten und der Freiheit der Frau.

Erst vor drei Jahren kam von ihr «Ainsi soit Olympe de Gouges» heraus, ein Buch über die Revolutionärin und Frauenrechtlerin Olympe de Gouges, die sich schon vor mehr als 200 Jahren für die Rechte und die Freiheit der Frau einsetzte. Ihr Kampf kostete die Pionierin des Feminismus das Leben: Auf dem Schafott wurde die französische Schriftstellerin 1793 hingerichtet -  beschimpft als Prostituierte und Aufwieglerin.

Groult war keine Vielschreiberin. In ihrer rund 50-jährigen Karriere hat die studierte Literaturwissenschaftlerin etwa 20 Bücher geschrieben oder mitverfasst. Bis zur Veröffentlichung von «Salz auf unserer Haut» 1988 war sie hauptsächlich in Frankreich bekannt. Die Leute hätten wissen wollen, «wie man 50 Jahre lang eine glückliche Ehe mit Affäre führen kann, ohne die Beziehung zu gefährden», erklärte sie sich den Erfolg ihres Romans. Das  von Andrew Birkin im Jahr 1992 verfilmte Buch wurde weltweit mehr als drei Millionen Mal verkauft. In Deutschland stand es monatelang auf der Bestsellerliste.

Über ihren Mut, als Ich-Erzählerin ihre Sexaffäre vor aller Welt auszubreiten, war sie noch lange erstaunt, wie sie in ihrer 2009 auf Deutsch erschienenen Biografie «Meine Befreiung» schrieb. Darin offenbarte sie auch, dass es sich bei dem Fischer um den 2004 verstorbenen Kurt Heilbronn gehandelt habe. Den amerikanischen Piloten hatte sie 1945 nach der Befreiung Frankreichs kennengelernt. Über 50 Jahre dauerte die Affäre zwischen den beiden - trotz mehrerer Ehemänner und Kinder. 

Groult stammt aus der Pariser Oberschicht. Schon ihr erster, 1972 veröffentlichter Roman «La part des choses» - das Buch kam 1999 in Deutschland unter dem Titel «Die Dinge, wie sie sind» heraus - thematisiert die Beziehungen zwischen Mann und Frau. Erst «Salz auf unserer Haut» sei aber zu ihrem feministischen Befreiungsschlag geworden, schrieb sie in ihrer Autobiografie. 

Ihrem Kampf blieb sie bis zum Ende treu. «Mit dem Altern verschwinden die Frauen. Niemand schaut sie mehr auf der Straße an. Sie werden transparent, verlieren den Blick der Männer, die Angst vor dem Altern der Frauen haben und noch mehr vor alten Frauen, die sie anmachen», sagte sie 2012 der französischen Frauenzeitschrift «Elle». Benoîte Groult fand sich damit nicht ab. «Ich schaue den Männern immer noch nach», sagte sie vor wenigen Jahren.