Schunkeln und Schlipsalarm: Die Narren sind los

Weiberfastnacht, um 11 Uhr 11: Pünktlich, wie es sich gehört, ist in den rheinischen Karnevalshochburgen der Frohsinn ausgebrochen.

In Mainz gingen die Weiber bei kühlen Temperaturen mit Scheren - schnipsel-schnipsel - auf Krawattenjagd. Im Düsseldorfer Rathaus leistete Oberbürgermeister Thomas Geisel dem Ansturm der Narren am Donnerstag nur kurz Widerstand. Nach einer Kuss-Attacke gab er sich selbst geschlagen und die Rathaustür frei.

In Köln ließ traditionell das Dreigestirn aus Prinz, Bauer und Jungfrau bei strahlender Sonne die Narren los. Bis dann nächste Woche, am Aschermittwoch, alles wieder vorbei ist.

Ein besonderes Schauspiel bot sich vor dem Dom: Dort fuhren als Skifahrer verkleidete Narren die Treppen zum Hauptbahnhof hinunter. Gleich hinter dem Hauptbahnhof füllte ein Tambourcorps eine winzige Bäckerei bis zum Bersten mit blauen Uniformen und Musik. «Das machen wir jedes Jahr, bevor wir zum Alter Markt gehen, der Bäcker ist ein Kumpel von uns», sagte einer der Trommler.

Keine 50 Meter entfernt stand ein Trupp Männer, scheinbar perfekt als Bauarbeiter kostümiert: blaue Overalls, klobige Sicherheitsschuhe, knallrote Helme über dem Kapuzenpulli. Aber in Wirklichkeit sicherten sie den Abbruch eines 50er-Jahre-Hauses, mussten also arbeiten.

Im Südwesten übernahmen vielerorts die Mäschgerle - also die Maskenträger - das Zepter. Sie kennen den Donnerstag vor Aschermittwoch als «Schmotzigen Dunschdig». Die schwäbisch-alemannische Fastnacht beginnt bereits vor Sonnenaufgang mit Musik und viel Krach. Später ziehen die Narren in vielen Städten durch die Straßen und befreien Schulen, Kindergärten und Firmen.