Schutz vor Job-Stress als Gemeinschaftsaufgabe definiert

Bundesregierung, Gewerkschaften und Arbeitgeber wollen den Schutz von Arbeitnehmern vor wachsenden psychischen Belastungen im Job zusammen voranbringen. Dieses Ziel haben sie in einer «Gemeinsamen Erklärung» festgehalten, die am Donnerstag in Berlin veröffentlicht wurde.

Schutz vor Job-Stress als Gemeinschaftsaufgabe definiert
Frank Rumpenhorst Schutz vor Job-Stress als Gemeinschaftsaufgabe definiert

Bekundet werden darin durchweg pauschale Feststellungen und Absichtserklärungen. Ein zentraler Satz lautet: «Psychische Belastung und ihre möglichen negativen Folgen sind beim Arbeitsschutz ebenso ernst zu nehmen wie physische Belastung.» Arbeitsministerium, Arbeitgeberverband BDA und DGB sind sich einig, dass wachsende Fehlzeiten und Frühverrentungen wegen psychischer Störungen durch «erfolgreiche Wiedereingliederung erkrankter Beschäftigter» vermeidbar seien. Der volkswirtschaftliche Schaden von psychischen Erkrankungen wird auf knapp 29 Milliarden Euro geschätzt. Sie sind die häufigste Ursache für Frühverrentung.

Nach dem «Stressreport 2012» der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ((BAuA) klagen 43 Prozent der Beschäftigten über wachsenden Stress im Job.

Die Vereinbarung sollte ursprünglich schon im Januar vorgelegt werden. Das scheiterte aber an der ablehnenden Haltung der Arbeitgeber zur Forderung der Gewerkschaften nach einer gesetzlichen Anti-Stress-Verordnung. Die Differenzen bestehen weiter. Sie sind nun in der Erklärung dokumentiert. Die BDA hält die bestehenden Regelungen für ausreichend.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sieht in der Vereinbarung «einen Handlungsauftrag und kein Ruhekissen». Sie entlasse die nächste Bundesregierung «nicht aus der Pflicht, schnellstens mit einer Anti-Stress-Verordnung und besseren Mitbestimmungsrechten für klare gesetzliche Regeln im Kampf gegen psychische Belastungen am Arbeitsplatz zu sorgen.»