Schwache Weltwirtschaft bremst Konjunktur

Deutschland setzt seinen moderaten Aufschwung dank der kauffreudigen Verbraucher fort. Wegen der zahlreichen Krisen in aller Welt hat das Wachstumstempo im Sommer allerdings etwas nachgelassen.

Im dritten Quartal 2015 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit und bestätigte damit seine ersten Berechnungen. Im Frühjahr war die Wirtschaftsleistung im Quartalsvergleich noch um 0,4 Prozent gewachsen, zum Jahresbeginn um 0,3 Prozent.

Wachstumstreiber war von Juli bis September hauptsächlich der Konsum. «Die Verbraucher haben die Wirtschaft gerettet und die Industrie-Flaute im Sommer kompensiert», betonte Carsten Brzeski, Chef-Ökonom der ING-DiBa.

Nach den Angaben der Statistiker nahmen sowohl die privaten Konsumausgaben (+ 0,6 Prozent) als auch die Konsumausgaben des Staates kräftig zu (+ 1,3 Prozent). «Hier dürften bereits Mehrausgaben zur Aufnahme der Flüchtlinge für die spürbare Steigerung verantwortlich sein», meinte BayernLB-Ökonom Stefan Kipar. Ein Anstieg in vergleichbarer Höhe beim öffentlichen Konsum sei zuletzt in Zeiten der Konjunkturprogramme 2009 verzeichnet worden.

Hingegen investierten im Sommer die etwa durch die Flaute in Schwellenländern und den befürchteten «Grexit» verunsicherten Unternehmen weniger als im Frühjahr - und zwar sowohl in Ausrüstungen wie Maschinen, Geräte und Fahrzeuge (- 0,8 Prozent) als auch in Bauten (- 0,3 Prozent).

Auch der Außenhandel bremste das Wachstum: Die Ausfuhren stiegen leicht um 0,2 Prozent an, die Importe erhöhten sich jedoch deutlich stärker um 1,1 Prozent. Insgesamt bremste der Außenbeitrag als Differenz aus Exporten und Importen damit das BIP-Wachstum um 0,4 Prozentpunkte.

Die Bundesbank traut der deutschen Wirtschaft auch in absehbarer Zukunft keine großen Sprünge zu. «Das leicht verringerte Expansionstempo der deutschen Wirtschaft im Sommer könnte auch im Jahresschlussquartal 2015 anhalten», schreibt die Notenbank in ihrem Monatsbericht für den November. So seien von der Industrie bis zum Jahresende kaum Impulse zu erwarten.

Einig sind sich die Experten, dass die niedrigen Energiepreise, die hohe Erwerbstätigkeit bei steigenden Löhnen, die Mini-Zinsen und die Zuwanderung die Kauflust der Verbraucher weiter befeuern und damit die Konjunktur in Schwung halten werden.

Im Sommerquartal sei die deutsche Wirtschaft endlich zu dem geworden, was viele internationale Kritiker seit langem fordern, analysierte Ökonom Brzeski: «Eine von innen getriebene Wirtschaft.» Auch deshalb habe Deutschland die zahlreichen Schocks von den Russland-Sanktionen über den Beinahe-Euro-Austritt Griechenlands und das nachlassende Wachstum in China bis hin zum VW-Skandal verkraften können.

Durch steigende Ausgaben für die Aufnahme der Flüchtlinge dürfte auch der öffentliche Konsum das BIP in den kommenden Quartalen erhöht werden, vermutet Kipar: «Die Mehrausgaben wirken wie ein kleines, ungeplantes Konjunkturprogramm.» Die Bundesbank hält derzeit zusätzliche staatliche Ausgaben in Größenordnungen von bis zu einem Viertel Prozent des Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr und einem halben Prozent im kommenden Jahr für «nicht unplausibel».