Schweigeminute beim Echo

Flaggen auf halbmast und 150 brennende Kerzen auf der Bühne: Auch die Echo-Gala wollte am Donnerstagabend ein Zeichen der Trauer für die Opfer der Flugkatastrophe in den französischen Alpen setzen.

Zur Verleihung des deutschen Musikpreises sollten die Gäste in den Berliner Messehallen eine Schweigeminute einlegen. Zum großen Feiern werde wohl den wenigsten zumute sein, sagte Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie, im ARD-Morgenmagazin. «Die Stimmung ist professionell, aber gedämpft.»

Als Gäste der 24. Echo-Verleihung wurden beispielsweise Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg und Deichkind erwartet. Das Erste wollte die Gala ab 20.30 Uhr live übertragen. Zuvor sollte es einen ARD-Brennpunkt zu den Entwicklunge nach dem Absturz geben. Moderiert wird die Show von Barbara Schöneberger. 

Acht deutsche Künstler, darunter Lindenberg, Grönemeyer, Sarah Connor und Xavier Naidoo, sollten in Erinnerung an die Menschen in der Germanwings-Maschine gemeinsam Udo Jürgens' Song «Ich weiß, was ich will» anstimmen, wie es in der ARD weiter hieß.

Als Reaktion auf das Unglück hatte Germanwings seine Teilnahme beim Echo abgesagt. Die Airline ist Sponsor. Am Donnerstagabend hingen unter den Logos auf den Stellwänden schwarze Aufkleber. Die Aufschrift: «4U9525 In stiller Anteilnahme». Acht bis zehn Vertreter der Fluggesellschaft hätten ihren Besuch gestrichen, sagte ein Sprecher.

Der Musikpreis wird in mehr als 30 Kategorien vergeben. Auch in diesem Jahr geht Schlagerstar Helene Fischer als Favoritin ins Rennen. Sie ist viermal nominiert; unter anderem könnte «Atemlos durch die Nacht» zum Hit und «Farbenspiel» zum Album des Jahres gekürt werden. Ebenfalls viermal nominiert: Andreas Bourani («Auf uns»). Er könnte beispielsweise Künstler Rock/Pop national werden.

Die griechische Sängerin Nana Mouskouri (80) wird für ihr Lebenswerk geehrt. Gentleman, Campino, Andreas Gabalier und die Eurovision-Song-Contest-Kandidatin Ann Sophie werden während der Show auftreten. In der Königsdisziplin - dem Album des Jahres - treten AC/DC, Helene Fischer, Herbert Grönemeyer, Pink Floyd und die Künstler der Serie «Sing meinen Song» an. Udo Lindenberg erhält den Sozial-Echo. 

Für Streit könnte die doppelte Nominierung der Deutschrockband Frei.Wild sorgen. Vor zwei Jahren war die Südtiroler Gruppe nach Protesten von der Nominierungsliste gestrichen worden. Mitbewerber hatten der Gruppe Nähe zur rechten Szene unterstellt und mit Boykott gedroht. Die Band hatte extremistische Tendenzen bestritten. Bereits 2014 war Frei.Wild dann erneut nominiert - lehnte aber eine Teilnahme bei der Gala ab.

Einen Echo mit nach Hause nehmen kann in den meisten Kategorien nur, wer auch in den Charts erfolgreich war. Nominiert sind nach Angaben des Musikverbandes die Bestplatzierten der offiziellen deutschen Top-100-Album-Charts. Eine Jury wählt dann aus den fünf Bestplatzierten je Kategorie ihre Favoriten.