Schweiz prüft Finanzaktionen von Sportfunktionären

Banken in der Schweiz müssen finanzielle Transaktionen internationaler Sportfunktionäre - etwa der Chefs von FIFA und IOC - künftig scharf unter die Lupe nehmen.

Schweiz prüft Finanzaktionen von Sportfunktionären
Steffen Schmidt Schweiz prüft Finanzaktionen von Sportfunktionären

Das Parlament in Bern beschloss am Freitag mit 128 zu 62 Stimmen, dass bestehende Regeln zur Bekämpfung von Geldwäsche und Korruption auch auf leitende Mitarbeiter internationaler Sportgremien anzuwenden sind.

Durch die Gesetzesänderung werden nun auch die Präsidenten des Fußball-Weltverbandes (FIFA), Joseph Blatter, und des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, sowie etliche weitere hohe Verbandsfunktionäre als «politisch herausgehobene Persönlichkeiten» eingestuft.

Damit sind Banken verpflichtet, Kontrollmechanismen zur Erkennung illegitimer Finanzpraktiken anzuwenden, berichtete die öffentlich-rechtliche Nachrichtenplattform Swissinfo. IOC-Präsident Thomas Bach begrüßte die Maßnahme. Alle Finanztransaktionen im Bereich des IOC würden der Kontrolle durch unabhängige Buchprüfer unterliegen. «Die Entscheidung der Schweiz stimmt also mit unserer heutigen Praxis überein und wir begrüßen sie von ganzem Herzen.»

Betroffen sind laut Swissinfo insgesamt rund 65 in der Schweiz ansässige internationale Sportföderationen. Die Gesetzesvorlage hatte der Abgeordnete Roland Büchel von der national-konservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) eingebracht. Zur Begründung erklärte er, Korruptionsskandale in Sportorganisationen mit Sitz in der Schweiz hätten dem Land Schaden zugefügt.

Was die Einstufung von Sportchefs als «Politically Exposed Persons» (PEP) bedeutet, hatte Büchel im September auf dem Ethik-Gipfel der FIFA in Zürich erklärt: «Herr Blatter wird künftig ein PEP sein. Auch sein persönlicher Assistent, die Mitglieder des Exekutivkomitees und andere FIFA-Offizielle werden PEP sein.»

Dies bedeute, dass ihre Kontobewegungen sowie die ihrer Familienmitglieder verfolgt und den Schweizer Behörden gemeldet werden müssen. Damit hätten die betroffenen internationalen Sportfunktionäre hinsichtlich ihrer Bankgeschäfte in der Schweiz künftig «den selben Status, wie die schlimmsten Diktatoren der Welt», so Büchel.

Dass in den letzten Jahren immer wieder der Verdacht von Korruption im Zusammenhang mit Sportereignissen von Weltrang aufkam, habe das Image der internationalen Sportverbände in der Schweiz getrübt, berichtete Swissinfo. Angesichts der Auseinandersetzungen um die Vergabe der Fußball-WM an Katar und Russland hätten sich 95 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage der weit verbreiteten Pendlerzeitung «20 Minuten» dafür ausgesprochen, dass Blatter im Interesse der Reputation der FIFA zurücktritt.