Schweizer dominieren Max-Ophüls-Filmfest

Das Sozialdrama «Chrieg» des Schweizer Regisseurs Simon Jaquemet hat den mit 36 000 Euro dotierten Max Ophüls Preis 2015 gewonnen. Die Jury würdigte den Streifen am Samstag in Saarbrücken als «kraftvolles Erstlingswerk, das uns mit seiner Wucht, Klarheit und Authentizität auf Anhieb gepackt hat.»

Schweizer dominieren Max-Ophüls-Filmfest
Oliver Dietze Schweizer dominieren Max-Ophüls-Filmfest

Die Hauptfigur finde Identität, wo der Zuschauer sie am wenigsten erwarte. Benjamin Lutzke, der einen Jugendlichen in einem Erziehungslager spielt, wurde als bester Nachwuchsdarsteller geehrt.

In dem 110 Minuten langen Film erzählt Jaquemet die Geschichte von Matteo, der auf einer entlegenen Alm Anschluss an eine Clique findet. Bei Ausflügen in die Stadt machen die Jugendlichen ihrer unbändigen Wut im Bauch Luft und führen «Krieg» gegen die Erwachsenenwelt. Die Entscheidung der fünfköpfigen Jury - darunter die Schauspieler Hannelore Hoger und Devid Striesow - fiel einstimmig.

Im Wettbewerb des 36. Ophüls-Festivals für Nachwuchsfilmer liefen 65 Streifen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich. Mehr als 90 waren im Beiprogramm zu sehen. Am Samstagabend wurden insgesamt 15 mit rund 100 000 Euro dotierte Preise vergeben.

Die Festivalwoche ging mit einem Kinosonntag zu Ende. Die Veranstalter rechneten mit 40 000 Zuschauern. Festivalleiterin Gabriella Bandel zog eine positive Bilanz: «Die Verbindung zwischen Film und Publikum war sehr viel stärker spürbar als in den vergangenen Jahren», sagte Bandel der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Publikum und Jugendjury entschieden sich für «Freistatt» von Marc Brummund. In dem Spielfilm wird auf Grundlage der Erinnerungen eines Betroffenen die Geschichte eines Jugendlichen in einem der härtesten kirchlichen Erziehungslager Ende der 1960er Jahre erzählt. Als beste Nachwuchsdarstellerin wurde Lore Richter ausgezeichnet. Sie spielt in dem Film «In uns das Universum» eine Tänzerin, in deren Körper ein anatomischer Fehler entdeckt wird.

Die Hauptpreise gingen an Schweizer Produktionen. Neben «Chrieg» war das Sozialdrama «Driften» besonders erfolgreich. Regisseur Karim Patwa und Mitautor Michael Proel erhielten den vom Saarländischen Rundfunk und vom ZDF vergebenen Fritz-Raff-Drehbuchpreis. Der Film wurde auch mit dem Filmpreis der Saarländischen Ministerpräsidentin und dem Preis der ökumenischen Jury ausgezeichnet.

Die Schweizer Produktionen seien in diesem Jahr «atmosphärisch besonders dicht gewesen», sagte Bandel. Dies sei nicht in jedem Jahr so. Ein Handicap für eine Verbreitung der beiden Filme in Deutschland und Österreich ist, dass in ihnen Schweizerdeutsch gesprochen wird und sie daher Hochdeutsch untertitelt sind. Bei bestimmten Stoffen lasse sich das leider nicht vermeiden, sagte Regisseur Jaquemet.

Als bester Dokumentarfilm wurde «Beyond Punishment» ausgezeichnet. Dabei stellt Autor Hubert Sieger Täter und Opfer von Gewaltverbrechen vor die Wahl, ob sie mehr voneinander erfahren möchten, um so die Taten durch Auseinandersetzung bewältigen zu können. «Dem Regisseur gelingt es mit Respekt und Einfühlungsvermögen, diesen Prozess auf beiden Seiten sichtbar zu machen», begründete die Jury ihre Wahl.