Schwere Ausschreitungen in Ägypten: Mindestens ein Toter

Die Gewalt zwischen Muslimbrüdern und ihren Gegnern in Ägypten nimmt kein Ende. Bei heftigen Zusammenstößen wurde am Freitag ein Mensch getötet worden, wie das Gesundheitsministerium in Kairo mitteilte.

Schwere Ausschreitungen in Ägypten: Mindestens ein Toter
Khaled Elfiqi Schwere Ausschreitungen in Ägypten: Mindestens ein Toter

Mindestens 14 Menschen wurden landesweit verletzt. Tausende Islamisten waren am Nachmittag in mehreren Städten auf die Straßen geströmt, um gegen die Entmachtung von Präsident Mohammed Mursi und die andauernden Repressionen gegen die Muslimbruderschaft zu protestieren. Die Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas gegen die Demonstranten vor. Die Proteste sollen noch bis Sonntag andauern.

In Kairo gab es am Freitag nach Angaben aus Sicherheitskreisen und von Augenzeugen gleich in mehreren Stadtteilen Zusammenstöße zwischen Islamisten und der Polizei. Im Zentrum der Hauptstadt setzten Sicherheitskräfte Tränengas ein, als Demonstranten versuchten, auf den Tahrir-Platz zu gelangen. Die Straßen zum Präsidentenpalast und zum Verteidigungsministerium wurden nach Angaben von ägyptischen Staatsmedien ebenfalls von Sicherheitskräften abgeriegelt.

In Alexandria gingen Hunderte Anhänger der Muslimbruderschaft und ihre Gegner aufeinander los. Auch hier setzte die Polizei Tränengas ein, ebenso wie in der Industriestadt Al-Mahalla. In Suez kam es zu weiteren Krawallen.

Das Militär hat Anfang Juli nach Massenprotesten Mursi und seine Regierung abgesetzt. Seither gibt es Unruhen. Hunderte Muslimbrüder wurden inhaftiert. Die Islamistenorganisation ist inzwischen verboten.

Zuvor hatte sich die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton bei einem zweitägigen Besuch in Ägypten für eine rasche Demokratisierung eingesetzt - unter Einbindung der Muslimbruderschaft. Es gehe darum, alle mit einzubeziehen und einen Dialog zu führen, sagte sie in Kairo. Vertreter der Tamarud-Bewegung, die mit ihren Massenprotesten das Ende der Ära Mursi eingeläutet hatte, kritisierten sie daraufhin scharf und warfen ihr nach Angaben des Nachrichtenportals «Al-Ahram» vor, «den Terror» zu beschützen. Die Chefdiplomatin war bereits zum dritten Mal seit dem Machtwechsel nach Ägypten gereist.

Auf der Sinai-Halbinsel dauerte die Großoffensive gegen militante Gruppen derweil an. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen vom Freitag gab es erneut 109 Festnahmen - auch drei Dschihadistenführer seien aufgegriffen worden. Nahe der Stadt Ismailia am Suez-Kanal wurde nach einem Berichtg des Staatsfernsehens ein ägyptischer Soldat aus einem vorbeifahrenden Fahrzeug heraus erschossen, ein weiterer Soldat starb später im Krankenhaus.