«Schwere Tumorerkrankung» - Russ will dennoch spielen

Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt steht unter Schock. Aufgrund einer schweren Erkrankung bei Verteidiger Marco Russ ist selbst das wichtige Relegationsspiel gegen den 1. FC Nürnberg in den Hintergrund geraten.

«Schwere Tumorerkrankung» - Russ will dennoch spielen
Arne Dedert «Schwere Tumorerkrankung» - Russ will dennoch spielen

Der Tumor wurde nur deshalb erkannt, weil eine Doping-Probe bei dem 30 Jahre alten Verteidiger einen auffällig hohen Wert des Wachstumshormons HCG in seinem Körper festgestellt hatte.

Die Eintracht legt sich mittlerweile sogar mit der Staatsanwaltschaft an. Die ermittelte gegen Russ zunächst wegen des Verdachts auf einen Verstoß gegen das Anti-Doping-Gesetz und ließ dabei auch seine Privatwohnung, seinen Spind auf dem Trainingsgelände und sein Zimmer in jenem Hotel durchsuchen, in dem sich die Eintracht auf das Nürnberg-Spiel vorbereitete. Dass der Fußball-Profi erkrankt und nicht gedopt ist, erfuhren die Ermittler erst aus den Medien.

«Ich habe in 30 Jahren Bundesliga viel erlebt. Ein so schlimmes Ereignis vor einem solch wichtigen Spiel aber noch nie», sagte der scheidende Vorstandschef Heribert Bruchhagen dem «hr-sport».

Gemessen an der schrecklichen Diagnose und all ihren Folgen habe der Spieler jedoch «sehr gefasst» reagiert, erzählte der 67-Jährige dem Radiosender FFH. Russ soll bereits in der kommenden Woche operiert werden. Vorher will er aber mindestens beim ersten von zwei Relegationsspielen gegen den 1. FC Nürnberg sogar mitspielen. Er habe Trainer Niko Kovac im Laufe des Mittwochabend mitgeteilt, «dass er sich zum Spiel bereit fühlt», meinte Bruchhagen. Nach Angaben des Vereins gaben auch die behandelnden Ärzte ihr Einverständnis dazu.

Das Drama um Marco Russ hat damit drei Ebenen: eine persönliche, eine medizinische und auch eine juristische. Denn aufgrund des Vorgehens der Staatsanwaltschaft behält sich der Verein sogar rechtliche Schritte gegen die Behörde vor. Präsident Peter Fischer sprach von einem «Skandal. Das ist vollkommen respektlos», schimpfte er im Hessischen Rundfunk. «Was gestern Abend passiert ist, wird der Verein aufarbeiten müssen. Die Frage, in welchen Verhältnismäßigkeiten dort Hausdurchsuchungen und Hoteldurchsuchungen gestanden haben. Auf welchem Rechtsgrund die basierten. Ich werde den Vorstand dazu aufrufen, das nach allen Seiten juristisch zu prüfen.»

Die Staatsanwaltschaft ist nach dem neuen Anti-Doping-Gesetz allerdings verpflichtet, sofort Ermittlungen aufzunehmen, wenn sie über eine positive Dopingprobe informiert wird. Zum Zeitpunkt der Durchsuchungen hätten die Ermittler von der Erkrankung des Spielers noch nichts gewusst, erklärte eine Sprecherin. «Beweismittel wurden dabei nicht sichergestellt», sagte sie. Offiziell eingestellt werden kann das Verfahren erst, sobald der Staatsanwaltschaft ein ärztlicher Befund über die Erkrankung vorliegt. Den habe man nun angefordert.

Nach einem Bericht der «Bild»-Zeitung wurde die Doping-Probe bei Russ nach dem Bundesliga-Spiel gegen Darmstadt 98 am 30. April entnommen. Am Mittwoch teilte die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA dann der Eintracht, dem Deutschen Fußball-Bund und auch der Staatsanwaltschaft mit, dass bei der Untersuchung dieser Probe ein «auffällig erhöhter Wert des Wachstumshormons HCG» festgestellt worden sei.

Die NADA wies in ihrer Nachricht sofort darauf hin, dass dieser Wert auch ein Hinweis auf eine Erkrankung sein könne. Die Eintracht schickte Russ deshalb noch am Mittwoch zu einem Internisten und in ein biochemisches Institut. Blutwerte, Urinwerte und ein Ultraschallbild bestätigten dann die «schwere Tumorerkrankung».

Nach Auffassung des Vereins hätte die Staatsanwaltschaft zwar kein ärztliches Attest, wohl aber den Hinweis der NADA auf eine mögliche Erkrankung vorliegen gehabt. «Warum man da noch weiter ermittelt, ist mit normalen Menschenverstand nicht zu erklären», meinte Bruchhagen.

Mit großer Anteilnahme reagierten derweil viele Spieler und Vereine auf Russ' Erkrankung. Den ganzen Tag über wurden Genesungswünsche versendet. «Wir wünschen Marco Russ alles Gute», twitterte auch der große Frankfurter Rivale Kickers Offenbach.