Schwierige WM-Vorbereitung: Unglückliche DEL-Pause

Trotz überraschend guter Leistungen gegen Rekord-Weltmeister Russland schaute Bundestrainer Pat Cortina auffällig oft reichlich gequält.

Schwierige WM-Vorbereitung: Unglückliche DEL-Pause
Caroline Seidel Schwierige WM-Vorbereitung: Unglückliche DEL-Pause

Die einwöchige Pause in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) bis zum Start der Endspielserie zwischen Mannheim und Ingolstadt am 10. April passt Cortina gar nicht. Ein flexibel gestalteter früherer Beginn hätte der Nationalmannschaft in der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Prag und Ostrau (1. bis 17. Mai) sehr geholfen.

«Wir haben nicht viel Zeit, und das wäre eine Möglichkeit, mehr Zeit zu gewinnen», sagte Cortina am Rande der ersten WM-Tests an Ostern in Oberhausen gegen den ebenfalls noch ersatzgeschwächten Weltmeister Russland (0:3 und 2:3 nach Penaltyschießen). Da in diesem Jahr knapp 15 WM-Kandidaten noch in den DEL-Finals gebunden sind, ist die Vorbereitung auf das wichtige Turnier empfindlich gestört. Doch das ist nicht das einzige Problem für Cortina und das Nationalteam.

In Marcel Ohmann (Köln) verletzte sich bei den Spielen gegen Russland ein weiterer Stürmer. Bereits zehn WM-Ausfälle gibt es bislang. «Das ist extrem. Wir müssen schon sehen, dass mehr Leute da sind. Wir brauchen alle», klagte Kapitän Michael Wolf.

 Notgedrungen muss Cortina mit vielen unerfahrenen Spielern die Vorbereitung bestreiten. Nur knapp ein Dutzend aus dem aktuellen Kader verspricht WM-Niveau. In Torhüter Felix Brückmann und den Verteidigern Björn Krupp (beide Wolfsburg) und Stephan Daschner (Düsseldorf) kommt ein Trio der ausgeschiedenen DEL-Halbfinalisten nun hinzu - ebenfalls kaum Spieler von internationalem Rang. Mögliche Verstärkung aus Nordamerika ist frühestens gegen Frankreich am 18. April verfügbar. Spieler aus Mannheim und Ingolstadt noch später.

Etliche Leistungsträger der DEL-Finalisten stehen womöglich erst zum letzten Test am 29. April gegen Slowenien zur Verfügung. Wenn sie nach der anstrengenden Serie überhaupt noch bereit sind. «Es gibt sicherlich Fälle, die körperlich wie psychisch so platt sind, dass sie nicht hilfreich wären», meinte Torjäger Patrick Reimer. Obwohl die Halbfinals seit Samstag bereits beendet sind, beginnt die Finalserie erst am Freitag. Aus organisatorischen Gründen - die Termine sind langfristig festgelegt und konnten wegen der Hallen-Belegungen offensichtlich nicht mehr verlegt werden.

 Trotz der teils guten Auftritte gegen Russlands B-Auswahl - mit dem aktuellen Kader wäre Deutschland bei der WM nur Abstiegskandidat. «Was noch fehlt? Alles», bekannte Cortina. «Wir müssen erstmal wieder auf das internationale Level kommen. Es gibt noch einige Baustellen», meinte Kapitän Wolf, und Reimer gestand: «Wir arbeiten an allem. Es ist gut, dass wir noch sieben Spiele haben.»

 Trotz der offenkundig immensen Arbeit, die bis zum WM-Start noch ansteht, bleibt kaum Zeit zum Trainieren. Am Dienstag flog das Team zu den nächsten Tests am Donnerstag und Freitag in Finnland. Dort ist nur ein einziges Training angesetzt. «Das macht unsere Arbeit als Trainer schwierig. Aber was sollen wir machen - es ist so», kommentierte Cortina die Planung. Allerdings hätte das Trainerteam wohl auch niemand daran gehindert, deutlich früher die Arbeit anzugehen. Für viele Spieler ist die DEL-Saison lange vorbei, trotzdem versammelte Cortina sein Team erst vier Tage vor dem ersten Test gegen Russland, das eine Woche früher startete.

Cortinas Dreijahresvertrag endet nach der WM und wird wohl nicht verlängert. «Natürlich bekommt man es mit, dass es da Diskussionen gibt», bekannte Wolf und mahnte: «Wir müssen uns jetzt keine Gedanken machen, ob er in acht Wochen noch unser Trainer ist oder nicht. Wenn wir so spielen, werden wir kein Spiel gewinnen.» Es ist durchaus denkbar, dass die Situation noch zu weiteren WM-Absagen führt. «Das ganze Umfeld muss dem Coach da das Vertrauen geben, und das geben wir ihm auch», sagte DEB-Präsident Franz Reindl zwar. Doch auch in Oberhausen saß Cortinas Vor-Vorgänger Uwe Krupp wieder mit der DEB-Spitze auf der Tribüne. Der Coach der Eisbären Berlin könnte das Nationalteam wieder zusätzlich übernehmen.