Schwimm-Weltmeister Deibler überrascht mit Karriere-Ende

Eisdiele statt Olympia: Kurzbahn-Weltrekordler Markus Deibler hat überraschend seine Schwimm-Karriere beendet.

Statt nach seinem WM-Titel mit neuer Motivation den Weg zu den Olympischen Spielen in Rio anzugehen, zog der 24 Jahre alte Hamburger nur neun Tage nach dem größten Erfolg seiner Laufbahn bei den Weltmeisterschaften in Doha einen Schlussstrich.

«Nun ist es für mich an der Zeit, neue Projekte anzugehen», erklärte der Olympia-Finalist von London am Dienstag. Er will Unternehmer werden.

Vor einer guten Woche, als er auf der Kurzbahn in Doha den Titel über die nicht-olympischen 100 Meter Lagen in der Weltrekordzeit von 50,66 Sekunden gewonnen hatte, klang das noch anders. «Ein geiler Erfolg, und Erfolg macht Spaß und motiviert für die kommende Zeit», hatte Deibler in Katar gesagt. Nun kam er «nach reiflicher Überlegung» zu der unerwarteten Entscheidung für seine Eisdiele auf St. Pauli und gegen die Trainingsstrapazen, die mit Blick auf die Langbahn und die olympischen Strecken noch größer geworden wären.

«Markus hatte die Entscheidung schon vor der WM getroffen», verriet Thomas Schmidt, Vorsitzender des Hamburger Schwimm-Clubs. «Ihm fehlt die Motivation, jeden Morgen um sechs Uhr ins Becken zu steigen und täglich sechs Stunden zu trainieren.» Der WM-Titel habe ihn auch nicht mehr umstimmen können, betonte Schmidt. «Ich verstehe ihn.»

Mit Bedauern mussten die Verantwortlichen im Deutschen Schwimm-Verband den Rücktritt zur Kenntnis nehmen. «Das ist sehr schade, dass ein Top-Athlet wie Markus Deibler seine Laufbahn beendet. Schwimmer dieser Güteklasse gibt es in Deutschland nicht viele», sagte Chefbundestrainer Henning Lambertz. «Mit seinem Weltrekord bei der Kurzbahn-WM in Doha hat er sein Potenzial unterstrichen. Mit Blick auf Einzelstrecken und Staffeln wäre Markus auch für die Zukunft ein wichtiger Mann für das Nationalteam gewesen.»

Der viermalige Kurzbahn-Europameister Deibler war in Doha, als er seinen erst am Vortag aufgestellten deutschen Rekord um weitere 0,8 Sekunden verbesserte, als erster Deutscher einen Weltrekord nach Verbot der leistungsfördernden Hightech-Anzüge vor fünf Jahren geschwommen. Sein älterer Bruder Steffen hatte Ende 2009 einen Weltrekord im Gummianzug über 50 Meter Schmetterling bejubelt. Der 27-Jährige geht anders als sein Bruder den Weg nach Rio 2016 mit der Zwischenstation WM im kommenden Jahr in Kasan/Russland an.

Auch einige Nationalteamkollegen waren über Markus Deiblers' Entscheidung überrascht, wie sie auf der Fanseite des nun ehemaligen Schwimmers im Internet durchblicken ließen. Traurig nahm man den Schritt des Sportlers am Olympia-Stützpunkt Hamburg/Schleswig-Holstein zur Kenntnis. «Wenn man einen Athleten so lange begleitet hat, berührt einen das. Wir hatten gehofft, dass er in Rio an den Start geht. Das ist ein Schlag, aber es werden andere kommen», erklärte Leiterin Ingrid Unkelbach. «Ich ziehe auch den Hut vor seiner Entscheidung. Es ist ein guter Zeitpunkt, nachdem er bei der WM noch so einen Kracher rausgehauen hat.»

Maximal-Belastungen steckt Deibler, der wiederholt auch gesundheitliche Probleme hatte, inzwischen besser weg. Früher kollabierte er regelmäßig nach Wettkämpfen. Nun profitierte der Student bei der Kurzbahn-WM vom Grundlagentraining ohne längere Krankheitspausen wie in den Jahren zuvor.

«Keiner weiß besser als Markus, was es heißt, Rückschläge zu verkraften. Er hatte als Supertalent immer mit seiner Anfälligkeit zu kämpfen und war häufig krank», erklärte Unkelbach. «Es war immer ein Drahtseilakt für ihn, die Belastungen zu verkraften. Markus ist nicht weg vom Fenster. Als Botschafter der Hamburger Olympia-Bewerbung unterstützt er uns vorbildlich.»