Schwindende Krisensorgen schieben Dax kurz über 11.000 Punkte

Erstmals in seiner 27-Jährigen Geschichte ist der Dax über die Marke von 11.000 Punkten gesprungen. Anleger kauften angesichts abnehmender Sorgen um die Ukraine-Krise und die Probleme in Griechenland wieder deutsche Aktien, sagten Händler.

Der Leitindex hatte seinen Rekord am Morgen auf zwischenzeitlich 11.013 Punkte hochgeschraubt. Am Ende stand der Index der 30 wichtigsten deutschen Aktien noch 0,40 Prozent höher bei 10.963,40 Punkten - zugleich der höchste je erreichte Schlussstand. Auf Wochensicht bedeutet dies ein Plus von 1,08 Punkten.

Der MDax zog um 0,39 Prozent auf 19.288,16 Punkte an. Der Index der mittelgroßen Werte hatte zuvor bei 19.318 Punkten einen Höchststand erreicht. Der TecDax dagegen gab um 0,61 Prozent auf 1517,40 Punkte nach.

Plötzlich fügten sich die Puzzleteile wieder positiv zusammen mit einer vereinbarten Waffenruhe in der Ukraine und Signalen über eine Kompromissbereitschaft Griechenlands, sagte ein Händler. Das habe den Börsen den entscheidenden Schub gegeben. Gute Konjunkturdaten kamen hinzu: Die Wirtschaft Deutschlands und des Euroraums als Ganzem war zum Jahresende hin stärker gewachsen als erwartet. Volkswirt Heinrich Bayer von der Postbank zufolge wurden die Erwartungen weit übertroffen.

Zuvor habe die politische Unsicherheit die eigentlich gute Stimmung gedämpft und die Aufmerksamkeit der Anleger von dem sich verbessernden wirtschaftlichen Umfeld in der Eurozone abgelenkt, sagte Händler Markus Huber vom Londoner Broker Peregrine & Black. Der Wertpapierexperte Ludwig Donnert von Orca Capital ergänzte mit Blick auf die Großwetterlage, dass die Notenbanken weiterhin die weltweiten Kapitalmärkte mit billigem Geld fluteten. Da es zur Aktie derzeit keine klare Anlagealternative gebe, jagten die Börsen weiterhin von einem Rekord zum nächsten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte Mitte Januar mit einer billionenschweren Geldspritze die Börsen euphorisiert und die Kursrally weiter angeheizt. Dabei ist die Bewertung des Dax laut Donnert immer noch nicht zu teuer - weder historisch, noch im Vergleich zu anderen Börsen. Vor allem gelte dies aber relativ zu Anleihen.

Deutsche-Bank-Aktien standen mit plus 3,07 Prozent auf 28,35 Euro an der Dax-Spitze. Mit der Hoffnung auf Griechenland verbessere sich auch die Stimmung für die Branchenwerte, sagte Experte Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel. Die Papiere der Commerzbank zogen um 2,89 Prozent an.

Aktien von ThyssenKrupp dagegen rutschten am Dax-Ende um 2,64 Prozent ab. Der Industriekonzern arbeitet sich zwar weiter aus der tiefsten Krise der jüngeren Firmengeschichte heraus und hatte im ersten Geschäftsquartal Umsatz und Gewinn gesteigert. Analysten zeigten sich jedoch nicht von allen Details des vorgelegten Berichts überzeugt. Die Anteilsscheine von Beiersdorf fielen um 2,37 Prozent, nachdem die Dividende des Nivea-Herstellers enttäuscht hatte.

Die Berliner Startup-Schmiede Rocket Internet hatte sich nur vier Monate nach ihrem milliardenschweren Börsengang wieder frisches Geld über eine Kapitalerhöhung besorgt. Die Aktien verloren rund zweieinhalb Prozent.

Der EuroStoxx 50, Leitindex der Eurozone, stieg um 0,88 Prozent auf 3447,59 Punkte, und auch in Paris und London legten die Leitindizes zu. In den USA gewann der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss 0,24 Prozent.

Die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere fiel auf 0,26 (Vortag: 0,28) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg 0,07 Prozent auf 140,23 Punkte. Für den Bund-Future ging es um 0,09 Prozent auf 158,97 Punkte nach unten. Der Eurokurs legte zu und notierte zuletzt bei 1,1411 US-Dollar. Die EZB hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1381 (1,1328) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8787 (0,8828) Euro.