Südafrika in Trauer um Nelson Mandela

Der Tod von Nelson Mandela hat weltweit Trauer und Bestürzung ausgelöst. Binnen weniger Stunden würdigten Staats- und Regierungschefs rund um den Globus das politische Vermächtnis des südafrikanischen Friedensnobelpreisträgers und Nationalhelden.

Der 95-Jährige war am Donnerstagabend nach langer Krankheit in seinem Haus in Johannesburg gestorben. Am Freitag begannen die Trauerfeierlichkeiten für den charismatischen Führer der Anti-Apartheid-Bewegung. Sie sollen bis weit in die kommende Woche reichen und in einem Staatsbegräbnis ihren Höhepunkt finden. Dazu werden Präsidenten und Regierungschefs aus aller Welt erwartet, der Termin stand aber bis Freitagmittag noch nicht fest.

Ganz in Schwarz gekleidet hatte Südafrikas Präsident Jacob Zuma am späten Abend in einer Sondersendung im Fernsehen sein Land über den Tod des Freiheitskämpfers unterrichtet. «Unsere Nation hat ihren größten Sohn verloren. Unser Volk hat einen Vater verloren», sagte Zuma mit bedrückter Stimme. Dies sei ein Moment «tiefster Trauer» für alle Südafrikaner. «Nelson Mandela brachte uns zusammen, und zusammen nehmen wir Abschied von ihm.»

Mandela sei gegen 20.50 Uhr Ortszeit (19.50 Uhr MEZ) gestorben, sagte Zuma. Vor seinem Haus im Johannesburger Vorort Houghton versammelten sich in der Nacht Hunderte Menschen zu einer spontanen Gedenkfeier. Viele tanzten und sangen, einige hielten Bilder des «Vaters der Nation» in den Händen oder schwenkten die südafrikanische Fahne. Andere zündeten Kerzen an.

Der Leichnam Mandelas wurde am frühen Freitagmorgen in das Militärkrankenhaus von Pretoria gebracht. Im ganzen Land wehten die Fahnen auf halbmast, alle Radio- und Fernsehstationen brachten fast nur Berichte über den verstorbenen Friedensstifter. Viele Menschen kamen mit einem schwarzen Trauerflor zur Arbeit.

Mit seinem Kampf gegen das rassistische Apartheidsystem hatte Mandela sich weltweit größtes Ansehen erworben. 27 Jahre lang saß er für seine Überzeugungen in Haft, ehe er 1994 erster Präsident des demokratischen Südafrikas wurde. Mandela war es, der den Weg zur Aussöhnung von Schwarzen und Weißen in seinem Heimatland ebnete.

Auf allen Kontinenten erinnerten Politiker an sein Wirken voller Mut und Kraft zur Versöhnung. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnete Mandela als «Giganten für die Gerechtigkeit». Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ehrte den Verstorbenen in New York mit einer Schweigeminute.

Die Welt habe einen der einflussreichsten und mutigsten Menschen verloren, sagte US-Präsident Barack Obama in Washington. «Er hat mehr geschaffen, als man von einem Menschen erwarten kann.» Frankreichs Präsident François Hollande erklärte, Mandela habe «Geschichte geschrieben für Südafrika und für die Welt». Der russische Präsident Wladimir Putin würdigte Mandela als «einen der herausragendsten Politiker» der Zeitgeschichte. Großbritanniens Premierminister David Cameron nannte Mandela einen «Helden unserer Zeit».

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, Mandelas politisches Vermächtnis werde «für Menschen auf der ganzen Welt noch lange Zeit eine Inspiration bleiben». Bundespräsident Joachim Gauck bezeichnete ihn als «großen Staatsmann, der wie nur wenige Versöhnung, Frieden und Gerechtigkeit in seiner eigenen Person verkörperte».

Zum Zeichen der Trauer wurden vielerorts die Flaggen auf halbmast gesetzt. In den USA veranlasste Präsident Obama Trauerbeflaggung auf allen öffentlichen Gebäuden. Auch die EU-Kommission in Brüssel ließ die 28 Europaflaggen vor dem Hauptgebäude auf halbmast setzen, das passiert ausgesprochen selten.

Behördenchef José Manuel Barroso und EU-Gipfelchef Herman Van Rompuy nannten Mandela einen der größten zeitgenössischen Politiker. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen würdigte ihn als «Mann des Friedens und eine wahrlich inspirierende Persönlichkeit». Die Afrikanische Union (AU) erklärte, Mandela sei «Symbol im Kampf gegen Apartheid, Unterdrückung und Kolonialismus und für Selbstbestimmung, Frieden und Versöhnung» gewesen. Sein Tod sei nicht nur ein Verlust für den afrikanischen Kontinent, sondern für die ganze Menschheit.

Auch mehrere Friedensnobelpreisträger würdigten Mandelas Lebenswerk, darunter der frühere Sowjetpräsident Michail Gorbatschow und Südafrikas Ex-Präsident Frederik de Klerk. Er war 1993 gemeinsam mit Mandela ausgezeichnet worden.

Der ehemalige Erzbischof von Kapstadt, Desmond Tutu, pries bei einem Gedenkgottesdienst in der Küstenstadt seinen ehemaligen Weggefährten im Kampf gegen das Apartheidsystem. «Das Land hat seinen Vater verloren», sagte Tutu. Die einstige Freiheitsbewegung und heutige Regierungspartei ANC rief die Südafrikaner auf, nicht zu verzweifeln. «Er lebt in jedem von Euch und in Euren Häusern weiter, weil er sein Leben an uns alle gegeben hat.»

Mandelas Gesundheitszustand war seit langem Anlass für große Sorge. Über Monate hieß es, er sei «in stabilem, aber kritischem Zustand». Im Sommer war er wegen einer schweren Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt worden. Vor drei Wochen hatte Mandelas Ex-Frau Winnie Madikizela-Mandela berichtet, der 95-Jährige könne nicht mehr sprechen. «Er kommuniziert über sein Gesicht», sagte sie. Seine letzten Wochen verbrachte Mandela im Kreis seiner Familie.