Südafrika vor Trauerfeierlichkeiten: Obama und Hollande kommen

Eine Woche des Gedenkens an Mandela hat Südafrikas Führung angekündigt. Während die Menschen weiter zu seinem Domizil kommen, laufen die Vorbereitungen für gewaltige Trauerfeiern an.

Südafrika bereitet sich auf die größten Trauerfeierlichkeiten seiner Geschichte vor. Zu den Gedenkfeiern für den am Donnerstag gestorbenen Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela haben sich unter anderem US-Präsident Barack Obama, Frankreichs Staatsoberhaupt François Hollande sowie Bundespräsident Joachim Gauck angekündigt. Eine Beteiligung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) blieb am Samstag noch offen.

Am Dienstag findet eine zentrale Gedenkfeier für Mandela im FNB-Stadion in Johannesburg statt, in dem mehr als 90 000 Menschen Platz finden. Zu der Veranstaltung werden zahlreiche Staats- und Regierungschefs aus aller Welt erwartet. Beigesetzt werden soll der südafrikanische Nationalheld und Friedensnobelpreisträger am 15. Dezember in Qunu am Ostkap, wo er aufgewachsen war. Hier werden sich etwa 9000 Trauergäste versammeln. Der erste schwarze Präsident Südafrikas war am Donnerstagabend nach langer Krankheit im Alter von 95 Jahren gestorben. Staats- und Regierungschefs in aller Welt würdigten das politische Vermächtnis Mandelas, der sein Land in die Demokratie geführt hatte. Für seinen Kampf gegen das rassistische Apartheidsystem hatte er 27 Jahre im Gefängnis gesessen.

Mandelas Familie bedankte sich für die weltweite Anteilnahme. «Die vergangenen Tage waren nicht einfach und die kommenden werden es auch nicht, aber dank der Anteilnahme aus der Heimat und aus aller Welt wird die Familie es im Laufe der Zeit schaffen», sagte der Sprecher der Familie, Temba Matanzima, am Samstag. Es war die erste öffentliche Reaktion der Angehörigen auf den Tod Mandelas.

An vielen Orten in Südafrika wurde auch am Samstag bei Andachten und Versammlungen des «größten Sohns der Nation» gedacht, wie Südafrikas Präsident Jacob Zuma Mandela nannte. Überall im Land lagen Kondolenzbücher in öffentlichen Gebäuden aus, damit dort Bürger ihren Nationalhelden würdigen konnten. Vor den Toren des Rathauses in Kapstadt, wo Mandela 1990 nach 27 Jahren Gefangenschaft seine erste große Rede in Freiheit gehalten hatte, erinnerten viele Blumensträuße an jenen historischen Moment.

Vor Mandelas Haus im Johannesburger Vorort Houghton versammelten sich wie schon am Freitag Hunderte von Menschen, darunter auch viele Kinder. Vor das Haus wurden erneut viele selbst gemalte Bilder, Teddybären und Blumensträuße gelegt. Von einem provisorisch errichteten Podest predigten Geistliche verschiedener Konfessionen.

Auch vor dem Regierungskomplex in der Hauptstadt Pretoria, wo Mandela von Mittwoch an drei Tage lang aufgebahrt werden soll, versammelten sich viele Menschen am Samstag zu Ehren des gestorbenen Friedensnobelpreisträgers. Der Sarg mit dem Leichnam Mandelas soll an den drei Tagen jeweils morgens vom Militärkrankenhaus in Pretoria auf einem offenen Fahrzeug zum Union Building in Pretoria und abends wieder zurückgefahren werden. Die Regierung ermunterte am Samstag die Südafrikaner, die Fahrt am Straßenrand zu verfolgen und so den Freiheitskämpfer zu würdigen.

Das Parlament in Kapstadt wird im Gedenken an den Freiheitshelden am Montag zu einer Gedenkveranstaltung zusammenkommen. Beamte von Regierung und Behörden in Südafrika arbeiteten wegen der Trauerfeierlichkeiten derzeit «rund um die Uhr», sagte Minister Collins Chabane am Samstag im Radio. Das Land wird gut eine Woche lang um den als «Vater der Nation» verehrten Mandela trauern. Mehr als 2500 Journalisten aus aller Welt haben sich nach Angaben der Regierung für die Trauerfeierlichkeiten akkreditiert.

Der Sonntag wird in Südafrika ein nationaler Tag der Trauer und des Gebets sein. Zum Zeichen der Trauer wurden vielerorts auch außerhalb Afrikas die Flaggen auf halbmast gesetzt. In den USA veranlasste Obama Trauerbeflaggung auf allen öffentlichen Gebäuden. Auch die EU-Kommission in Brüssel ließ die 28 Europaflaggen vor dem Hauptgebäude auf halbmast setzen; das passiert ausgesprochen selten. Am Freitag hatte mehrere afrikanische Länder wie Mali, der Senegal, Nigeria oder Tansania eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen.