Südsudan-Gespräche starten in Addis Abeba

Nach fast drei Wochen schwerer Gewalt im Südsudan haben die Konfliktparteien in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba indirekte Friedensgespräche begonnen.

Südsudan-Gespräche starten in Addis Abeba
Phillip Dhil Südsudan-Gespräche starten in Addis Abeba

Gleichzeitig kündigten die Rebellen aber einen Marsch auf die Hauptstadt Juba an. Beobachter befürchteten am Freitag, dass sich die Delegationen des Präsidenten Salva Kiir und des Rebellenführers Riek Machar bei den Verhandlungen kaum auf eine Waffenruhe einigen können.

Am Freitag trafen sich die beiden Delegationen zunächst getrennt mit Vertretern der ostafrikanischen Regionalorganisation IGAD, die als Vermittler agiert. «Die direkten Verhandlungen werden am Samstag oder Sonntag beginnen», sagte der Sprecher der Rebellendelegation, Yohanes Pouk, der Nachrichtenagentur dpa.

Im Südsudan toben seit Mitte Dezember schwere Kämpfe, die auch ethnische Hintergründe haben. Zuvor war es zu einem Machtkampf zwischen Kiir und seinem im Juli aus dem Amt entlassenen Stellvertreter Machar gekommen. Schwere Kämpfe gab es vor allem in den ölreichen Bundesstaaten Jonglei und Unity. Am Mittwoch hatte Kiir den Ausnahmezustand über die beiden Regionen verhängt.

Die USA verringerten das Personal ihrer Botschaft in Juba und empfahlen ihren Bürgern «dringend», das Land zu verlassen. Mehr als 440 US-Bürger sowie mehr als 750 Bürger aus mindestens 27 anderen Ländern wurden mit Flugzeugen aus der Krisenregion in Sicherheit gebracht. Acht private Flieger und neun Maschinen des US-Militärs waren dafür im Einsatz, sagte am Freitag eine Sprecherin des US-Außenamts in Washington.

Die USA begründeten die Maßnahmen mit «der sich verschlechternden Sicherheitslage». Diesen Samstag werde die Botschaft ihre Konsulardienste einstellen. Augenzeugen zufolge blieb es am Freitag in der Hauptstadt Juba zunächst ruhig. Blauhelmsoldaten patrouillierten in den Straßen.

Die Verhandlungen finden in einem Luxushotel in Addis Abeba statt. Hier wurden in vergangenen Jahren bereits die Friedensgespräche mit dem nördlichen Nachbarn Sudan abgehalten, von dem sich der Südsudan 2011 nach einem 20-jährigen Bürgerkrieg abgespalten hatte. Trotz Unabhängigkeit und Ölreichtums leben die meisten Menschen weiter in tiefster Armut.

Beobachter rechnen mit einem langwierigen und komplizierten Dialog. Anders als angekündigt führt nicht die ehemalige südsudanesische Verkehrsministerin Rebecca Nyandeng die Rebellendelegation, sondern Taban Deng Gai, der frühere Gouverneur des Bundesstaates Unity. An der Spitze des Teams von Präsident Kiir steht der ehemalige Außenminister Nhial Deng Nhial.

«Wir sind bereit, bei den Gesprächen über ein Ende der Gewalt zu reden, weil das in unser aller Interesse ist», betonte Rebellensprecher Pouk. Ein anderes wichtiges Thema sei aber eine Machtaufteilung zwischen Präsident Kiir und seinem ehemaligen Stellvertreter Machar. Kiir hat eine Machtteilung ausgeschlossen.

Insgesamt sind fast 200 000 Menschen auf der Flucht; 57 000 haben seit Beginn der Gewalt Zuflucht in den UN-Einrichtungen des Landes gesucht, wie die Nothilfekoordinatorin der Vereinten Nationen Valerie Amos berichtete.

Die Welthungerhilfe teilte am Freitag mit, dass mehr als 600 000 Menschen direkt oder indirekt von den Kampfhandlungen betroffen seien. Die internationalen Hilfsmaßnahmen würden der humanitären Katastrophe nicht gerecht. «Die Situation ist verheerend. An den zahlreichen im Land verstreuten Zufluchtsorten gibt es derzeit kaum Zugang zu Trinkwasser, Essen, Unterkünften, Haushaltsgütern oder sanitärer Grundversorgung», sagte Bucay Deng, die Landesvertreterin der Hilfsorganisation.