Südsudans Nachbarn dringen auf friedliche Konfliktlösung

Im Bemühen um eine politische Lösung der Kämpfe im Südsudan haben die Nachbarländer die Kontrahenten zu direkten Verhandlungen aufgefordert.

«Die Gewalt im Südsudan muss sofort beendet werden», sagte Kenias Präsident Uhuru Kenyatta nach Angaben seines Sprechers bei einem Gipfeltreffen der ostafrikanischen Regionalorganisation IGAD am Freitag in Nairobi. «Die Regierung Südsudans muss die Sicherheit aller seiner Bürger garantieren.»

In Nairobi berieten Staats-und Regierungschefs aus Kenia, Uganda, Äthiopien, Somalia and Dschibuti mit hochrangigen Vertretern aus dem Südsudan und dem Sudan über Auswege aus dem Konflikt, in dem seit Mitte Dezember schon Hunderte Menschen gestorben sind und Tausende vertrieben wurden. Sie forderten den Präsidenten Südsudans, Salva Kiir, und seinen ehemaligen Vize und heutigen Hauptwidersacher Riek Machar dazu auf, sich noch vor Jahresende an den Verhandlungstisch zu begeben. Keinesfalls würde ein Militärputsch gegen die amtierende Regierung in Juba hingenommen, hieß es.

Sollten die Kämpfe im Südsudan nicht in den kommenden vier Tagen beendet werden, würden die Nachbarn weitere Maßnahmen in Erwägung ziehen, sagte Äthiopiens Außenminister Tedros Abodon am Ende des Treffens in Nairobi. Einzelheiten möglicher Aktionen nannte er nicht.

Am Vortag war der südsudanesische Präsident Kiir in der Hauptstadt Juba mit seinem kenianischen Amtskollegen Kenyatta sowie dem äthiopischen Regierungschef Hailemariam Desalegn zusammengekommen. Der inzwischen untergetauchte, entlassene Vizepräsident Machar hatte allerdings nicht teilgenommen.

Machars Rebellentruppen hatten Mitte Dezember den Konflikt entfacht, als sie ölreiche Regionen des Südsudans besetzten. Kiir hatte im Juli die Regierung aufgelöst und seinen Stellvertreter Machar entlassen, dem er Umsturzversuche vorwirft. Machar wirft Kiir wiederum diktatorische Tendenzen vor und fordert seinen Rücktritt. Beide gehören verschiedenen Volksgruppen an: den Dinka und den Nuer. Ihre Animositäten gehen mehr als zwei Jahrzehnte zurück, als beide rivalisierenden Rebellengruppen angehörten.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier rief die Konfliktparteien zu einer Einigung auf. «Das Morden muss ein Ende haben», erklärte der SPD-Politiker am Freitag in Berlin. Keine der beiden Seiten dürfe sich den Vermittlungsbemühungen der afrikanischen Nachbarn entziehen: «Jetzt tragen die Politiker des Südsudan gemeinsam die Verantwortung dafür, dass ihr junger, unabhängiger Staat nicht in Chaos und Elend versinkt.» Der Südsudan ist seit Juli 2011 unabhängig vom Sudan.

Seit Beginn der Kämpfe im Südsudan vor zwei Wochen sind nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) mindestens 120 000 Menschen auf der Flucht. Die wirkliche Zahl dürfte deutlich höher liegen, da die Hilfsorganisationen nur sehr schwer an Informationen herankämen, teilte das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) am Freitag in Genf mit. Rund 63 000 Menschen hätten Zuflucht bei den UN-Stützpunkten in mehreren Städten gefunden. Allein 25 000 befänden sich in der Hauptstadt Juba unter dem Schutz der UN. Die Verteilung von Hilfsgütern sei wegen der höchst unsicheren Lage schwierig. Es gebe Hinweise, dass einzelne Depots mit Hilfsgütern geplündert worden seien, so das OCHA.