Sechs Tote und mehrere Verletzte in München

Terror und Ausnahmezustand in München: Bei einem bundesweit beispiellosen Anschlag in der bayerischen Landeshauptstadt sind nach Polizeiangaben mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen, mehrere weitere wurden teilweise schwer verletzt.

Sechs Tote und mehrere Verletzte in München
Matthias Balk Sechs Tote und mehrere Verletzte in München

Die Polizei warnte nach Schüssen in einem Einkaufszentrum vor einer «akuten Terrorlage». Es gebe aber noch keine Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Bis zu drei Männer mit «Langwaffen» seien auf der Flucht, teilte ein Polizeisprecher am späten Abend mit. Man suche im gesamten Stadtgebiet und im Umland nach den Tätern. Die Landeshauptstadt rief den «Sonderfall» wegen einer «Amoklage» aus. In Teilen der Stadt herrschte Panik.

Der öffentliche Nahverkehr - U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen - wurde komplett eingestellt, ebenso der Zugverkehr. Der Münchner Hauptbahnhof wurde evakuiert. Ärzte und Schwestern wurden in die Krankenhäuser gerufen. Restaurants in der Innenstadt schlossen aus Sicherheitsgründen.

Unklar war zunächst, ob es in der Innenstadt eine weitere Schießerei gab. Auch dort kam es zu einem Großeinsatz schwer bewaffneter Polizisten, nachdem Menschen schreiend und in Panik in Richtung Stachus geflohen waren. Ein Polizeisprecher sagte später, Hinweise von Bürgern per Notruf über Schusswechsel an anderen Stellen der Stadt hätten sich nicht bestätigt. Der Marienplatz im Herzen der Stadt war am Abend wie leer gefegt. Die Landeshauptstadt forderte die Bürger über das Smartphone-Warnsystem Katwarn auf, ihre Wohnungen nicht zu verlassen.

«Wir wissen derzeit nicht wo sich die Täter befinden. Passt auf Euch auf und meidet nach wie vor die Öffentlichkeit», schrieb die Polizei rund zwei Stunden nach Beginn der Schießerei auf Twitter. «Starke Polizeikräfte in der gesamten City. Wir fahnden mit Hochdruck nach den Tätern», twitterte die Polizei später. dpa-Reporter berichteten von Panik in Teilen der Stadt. Nach der Sperrung des Hauptbahnhofs seien die Menschen über die Gleise geflohen.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) setzten ein Krisentreffen in der Staatskanzlei an. Auch die Bundesregierung stellte sich auf eine Krisenlage ein. Am Freitagabend kamen nach dpa-Informationen im Kanzleramt Mitarbeiter zusammen, um die Geschehnisse in der bayerischen Landeshauptstadt zu verfolgen und Kontakt mit allen zuständigen Stellen zu halten. Alle von den Angriffen thematisch betroffenen Regierungsmitglieder seien alarmiert, hieß es.

Nach den Schüssen eilten von überall in der Stadt Polizei- und Rettungskräfte zu dem Einkaufszentrum. Die Gegend war abgeriegelt. Über der ganzen Stadt kreisten Hubschrauber. Die Polizei rief Autofahrer auf, die Autobahnen in Richtung München für Einsatzfahrzeuge freizumachen.

Der Anschlag begann nach Angaben der Polizei bei einem Schnellrestaurant am Olympia-Einkaufszentrum. Es sei um 17.52 Uhr losgegangen, sagte Thomas Baumann, stellvertretender Sprecher des Polizeipräsidiums.

Das Olympia-Einkaufszentrum liegt mitten in einem Wohngebiet, zwei U-Bahn-Stationen vom Olympiastadion entfernt. Mit 135 Geschäften ist es eine der größten Shopping-Meilen in München.

Die Polizei rief dazu auf, keine Bilder vom Tatort zu veröffentlichen. «Bitte keine Fotos/Filme von polizeilichen Maßnahmen online stellen. Unterstützt nicht die Täter!», twitterte sie.

Facebook aktivierte am Freitagabend den «Safety Check» («Sicherheitscheck») für München, womit Bewohner mitteilen können, dass sie in Sicherheit sind. Zudem twitterten etliche Bewohner der Stadt den Hashtag #OffeneTür im Kurznachrichtendienst Twitter, um Menschen in München Unterschlupf zu gewähren oder zu suchen.

Erst am Montagabend hatte ein 17-jähriger Flüchtling mit einer Axt und einem Messer vier Touristen aus Hongkong in einem Regionalzug bei Würzburg schwer verletzt. Einsatzkräfte erschossen den Jugendlichen. Offenbar hatte die Tat einen islamistischen Hintergund.