Seehofer und Merkel sprechen über Unionskrise

Die Union sucht nach einem Ausweg aus ihrem tiefen Zerwürfnis über die Flüchtlingspolitik. Führende Politiker von CDU und CSU forderten ein Ende der Streitereien.

Seehofer und Merkel sprechen über Unionskrise
Soeren Stache Seehofer und Merkel sprechen über Unionskrise

Am Abend wollten sich Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer in Berlin zu einem persönlichen Gespräch treffen. Das Verhältnis der CDU-Chefin und des bayerischen Ministerpräsidenten gilt als zerrüttet. Ende Juni wollen die Spitzen beider Parteien langfristige Themen festlegen. Allerdings birgt schon die Wahl des Ortes Konfliktstoff.

Innenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: «Jetzt ist ein Zustand erreicht, der der Union im Ganzen schadet.» Meinungsunterschiede sollten nicht immer wieder öffentlich angefeuert werden. Auch weil die Zahl der Flüchtlinge zurückgegangen sei, «könnte die Dezibelstärke der Interviews ebenfalls zurückgeführt werden».

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer warf der CDU in der «Bild»-Zeitung vor, sie habe kein Profil. «Wenn sich CDU und SPD immer mehr angleichen, schadet es allen.» Außerdem schreibt «Bild», Seehofer vermute ein Komplott im Kanzleramt. «Bis hinein ins Kanzleramt» gebe es Kräfte, die die CSU als «Fehlkonstruktion» betrachteten und beseitigen wollten.

Unionsfraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer (CDU) sagte: «Ich bin der festen Überzeugung, dass diese fast wöchentliche Kritik aus München der Union insgesamt schadet.»

Die CSU hält Merkel vor, mit ihrer Flüchtlingspolitik verantwortlich zu sein für die sinkenden Umfragewerte der Union. Aus der CDU verlautet, durch die ständigen Attacken von Seehofer auf Merkel kehrten Anhänger der Union den Rücken.

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt mahnte aber: «Ich habe nicht den Eindruck, und das sollten wir auch nicht den Menschen einreden, dass das Vertrauen der Bürger in die Kanzlerin nicht mehr vorhanden wäre.» Der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak, forderte eine starke und geschlossene Union für die Bundestagswahl 2017 - «und nicht eine, die sich gegenseitig nur Vorwürfe macht».

Nach einer aktuellen Umfrage des Instituts Insa für die «Bild»-Zeitung verliert die große Koalition an Zustimmung und ist erstmals unter die Marke von 50 Prozent gerutscht. Wäre am Sonntag Bundestagswahl, kämen CDU/CSU demnach auf 30 Prozent - ein halber Punkt weniger als in der Vorwoche. Die SPD verliert demnach ebenfalls einen halben Punkt und liegt nur noch bei 19 Prozent.