Seemonster mit Fangkorb filterte Nahrung aus dem Wasser

In den Meeren der Urzeit fischten große Meerestiere mit einer Art Filter am Maul Nahrung aus dem Wasser. Im Fachmagazin «Nature» stellen Forscher das Fossil eines Exemplars vor, das es auf eine Länge von etwa zwei Metern brachte.

Seemonster mit Fangkorb filterte Nahrung aus dem Wasser
Marianne Collins Seemonster mit Fangkorb filterte Nahrung aus dem Wasser

Das Tier gehört zu den sogenannten Anomalocarididae und ist ein früher Verwandter der heutigen Gliederfüßer, zu denen unter anderem Insekten, Krebs- und Spinnentiere gehören.

Aegirocassis benmoulae, so der Name der Spezies, lebte im Ordovizium, das vor etwa 485 Millionen Jahren begann und vor gut 443 Millionen Jahren endete. Seine Überreste wurden im heutigen Marokko entdeckt. Das Tier besaß unterhalb seines Kopfes einen Anhang, mit dem es Nahrung aus dem Wasser filterte. Viele Anomalocarididae waren Räuber. Filtrierer sind zwar bekannt, aber nicht in dieser Größe, schreiben die Wissenschaftler um Peter Van Roy von der Yale University in New Haven (US-Staat Conneticut).

Interessant war für die Forscher auch der Rumpf, über dessen Bau zuvor wenig bekannt war. Er besteht aus Segmenten, von denen jedes seitlich ein Paar lappenförmiger Fortsätze trägt. Die unteren Lappen wiesen Übereinstimmungen mit den beinähnlichen Fortsätzen anderer Animalocarididae und den Beinen einiger heutiger Arthropoden auf, schreiben die Forscher. Sie dienten der Fortbewegung im Wasser. An den oberen Lappen befanden sich spezielle Strukturen, die an Kiemenlappen erinnern.

Im Zuge der kambrischen Explosion, die das fast gleichzeitige Auftauchen von Vertretern fast aller heutigen Tierstämme beschreibt, entwickelten sich komplexe planktische Ökosysteme, schreiben die Wissenschaftler. Im darauffolgenden Ordovizium konnten sich dann gigantische Filtrierer wie A. benmoulae entwickeln.

Viele der Anomalocarididae, die vor über 500 Millionen Jahren im Kambrium lebten, waren Räuber. Sie gehörten damals zu den größten Lebewesen der Erde. Am Mund trugen die Tiere Greifarme, mit denen sie wohl Beute packen konnten. Und zumindest einige von ihnen hatten ein ausgezeichnetes Sehvermögen: Wissenschaftler berichteten 2011 von der Entdeckung eines 515 Millionen Jahre alten Exemplars mit zwei bis drei Zentimeter großen Augen. Sie bestanden aus mehr als 16 000 Linsen und gehören damit zu den größten und schärfsten Augen, die es je gegeben hat, berichteten die Forscher in «Nature».

Aegirocassis benmoulae blieb in der Erdgeschichte nicht das einzige gewaltige Tier, das seinen Nahrungsunterhalt über gefilterte kleine Lebewesen bestritt: Bartenwale wie der bis zu 33 Meter lange Blauwal filtern mit Hornplatten im Oberkiefer Krill und andere Nahrung aus dem Wasser - und gehören zu den größten bekannten Tiere der Erdgeschichte überhaupt.