Selbstbewusste Iren kündigen «full speed» an

Angst vor dem Weltmeister? Martin O'Neill möchte derartige Negativ-Gefühle total ausblenden. Stattdessen wagt der Trainer der irischen Fußball-Nationalmannschaft eine Kampfansage Richtung Bundestrainer Joachim Löw und dessen Team.

Selbstbewusste Iren kündigen «full speed» an
Jakub Kaczmarczyk Selbstbewusste Iren kündigen «full speed» an

«Jetzt heißt es full speed gegen Deutschland», verkündet O'Neill, mahnt aber auch: Bitte nicht zu übermütig werden. «Wir sind nicht gut genug, um irgendwie abzuheben.»

Die Maximalausbeute von sechs Zählern aus den bisherigen EM-Qualifikationsspielen auf dem Weg nach Frankreich 2016 in Georgien (2:1) und am Samstag gegen Gibraltar (7:0) macht Irlands Chefcoach zuversichtlich. Dem 62-Jährigen, Nachfolger von Interimslösung Noel King und dessen Vorgänger Giovanni Trapattoni, ist allerdings mehr als bewusst, «dass die Begegnung mit Deutschland ein komplett anderes Spiel als das gegen Gibraltar wird».

Seine Mannschaft, die «Boys in Green», müsse am Dienstag in Gelsenkirchen «vorsichtig» sein, dürfe sich aber nicht zu sehr auf die Defensive verlassen: «Wenn wir nur abwartend agieren, wird Deutschland einen Weg finden.» Co-Trainer Roy Keane ergänzte in der Tageszeitung «Irish Independet» am Montag martialisch im Bezug auf die 0:2-Niederlage Deutschlands gegen Polen: «Wir treffen auf ein verwundetes Tier. Das wird eine harte Probe für uns.» O'Neill sieht gleichwohl Möglichkeiten, auch in der Offensive: «Wir haben Alternativen. Und ich denke, dass wir ihnen damit Probleme bereiten können.»

Viel zu holen gab es bislang indes nicht, wenn es für Irlands Fußballer gegen Deutschland um Qualifikationsbegegnungen ging. 0:0 am 13. Oktober 2007, 0:1 am 2. September 2006 in der EM-Ausscheidung, 0:3 in Köln am 11. Oktober 2013 und 1:6 am 12. Oktober 2012 auf dem Weg zur WM-Endrunde in Brasilien - das war's schon. Die Gesamtbilanz gegen Deutschland weist in 18 Partien fünf Irland-Siege, vier Unentschieden und neun Niederlagen auf. In Deutschland gab es bei bislang zehn Auftritten zwei irische Siege: 1:0 am 11. Mai 1960 in Düsseldorf, 2:0 am 29. Mai 1994 in Hannover.

Bemerkenswert war das 1:1 des dreimaligen WM-Starters Irland (1990/Italien, 1994/USA, 2002/Japan und Südkorea) gegen die DFB-Auswahl beim Welt-Championat 2002. Damals brachte Robbie Keanes Last-Minute-Ausgleich die Iren dank des 1:1 in das Achtelfinale. Dort verloren die Spieler von der Grünen Insel gegen Spanien erst im Elfmeterschießen.

Der nimmermüde Keane, seit dem 7:0 gegen Gibraltar nach seinem Hattrick in der 6., 14. und 18. Minute mit jetzt 21 Treffern Torjäger Nummer eins in der Historie der EM-Ausscheidung vor dem Türken Hakan Sükür (20) und dem Dänen Jon Dahl Tomasson (19), sieht aktuell keinen Grund, «jetzt in meinem Hotelzimmer rumzuspringen», wie er dem verbandseigenen TV-Sender mitteilte.

Eines indes machte der 34-Jährige, der bei Los Angeles Galaxy in der Major League Soccer MLS sein Geld verdient, ebenfalls deutlich: Die Iren haben vor der Aufgabe beim Welt-Champion Selbstvertrauen getankt: «Daran zweifelt keiner.» Er fühle sich «brillant» und so gut in Form, dass es keinen Grund gebe, «warum wir gegen Deutschland nichts holen sollten».