Selbstbewusste Iren: O'Neill kündigt «full speed» an

Angst vor dem Weltmeister? Martin O'Neill möchte derartige Negativ-Gefühle total ausblenden.

Stattdessen wagt der Trainer der irischen Fußball-Nationalmannschaft eine Kampfansage Richtung Bundestrainer Joachim Löw und dessen Team: «Jetzt heißt es full speed gegen Deutschland.» Aber bitte nicht zu übermütig werden, mahnt O'Neill: «Wir sind nicht gut genug, um irgendwie abzuheben.»

Der Iren-Coach betonte am Abend vor dem Aufeinandertreffen mit der DFB-Auswahl, dass er am Dienstag in Gelsenkirchen nicht nur auf die Defensive bauen wird: «Wir werden es auch mit Angriffsaktionen versuchen.» O'Neill unterstrich nach den Erfolgen in Georgien (2:1) und am vergangenen Samstag gegen Gibraltar (7:0), «dass wir ein Team mit großer Kampfmoral haben. Wir wollen ganz einfach eine gute und hochkonzentrierte Leistung liefern. Und wir wollen aus dieser Partie etwas mitnehmen.»

Trotz der 0:2-Niederlage in Polen hält der irische Nationalcoach Deutschland weiter für den Topfavoriten in der Gruppe: «Ich bin nach wie vor überzeugt, dass Deutschland das beste Team ist - unabhängig vom Erfolg der Polen.» Die Auswahl von Bundestrainer Löw habe «Top-Spieler» in ihren Reihen. «Sie sind einfach eine Top-Mannschaft», ergänzte der 62-Jährige.

Irlands Torjäger Robbie Keane freut sich mächtig auf die Begegnung: «Du musst rausgehen und Spaß haben gegen die beste Mannschaft der Welt.» Auch Keane, dem gegen Gibraltar ein Hattrick gelungen war, wies darauf hin, dass die Iren keine Angst vor dem Favoriten haben: «Wir sind wirklich selbstbewusst.»

Die Maximalausbeute von sechs Zählern aus den bisherigen EM-Qualifikationsspielen auf dem Weg nach Frankreich 2016 macht O'Neill zuversichtlich. Dem Nachfolger von Interimslösung Noel King und dessen Vorgänger Giovanni Trapattoni ist allerdings mehr als bewusst, «dass die Begegnung mit Deutschland ein komplett anderes Spiel als das gegen Gibraltar wird».

Seine Mannschaft, die «Boys in Green», müsse am Dienstag «vorsichtig» sein, dürfe sich aber nicht zu sehr auf die Defensive verlassen: «Wenn wir nur abwartend agieren, wird Deutschland einen Weg finden.» Co-Trainer Roy Keane ergänzte in der Tageszeitung «Irish Independent» martialisch im Bezug auf die 0:2-Niederlage Deutschlands gegen Polen: «Wir treffen auf ein verwundetes Tier. Das wird eine harte Probe für uns.»

Viel zu holen gab es bislang indes nicht, wenn es für Irlands Fußballer gegen Deutschland um Qualifikationspunkte ging. 0:0 am 13. Oktober 2007, 0:1 am 2. September 2006 in der EM-Ausscheidung, 0:3 in Köln am 11. Oktober 2013 und 1:6 am 12. Oktober 2012 auf dem Weg zur WM-Endrunde in Brasilien - das war's schon. Die Gesamtbilanz gegen Deutschland weist in 18 Partien fünf Irland-Siege, vier Unentschieden und neun Niederlagen auf. In Deutschland gab es bei bislang zehn Auftritten zwei irische Siege: 1:0 am 11. Mai 1960 in Düsseldorf, 2:0 am 29. Mai 1994 in Hannover.

Bemerkenswert war das 1:1 des dreimaligen WM-Starters (1990/Italien, 1994/USA, 2002/Japan und Südkorea) gegen die DFB-Auswahl beim Welt-Championat 2002. Damals brachte Robbie Keanes Last-Minute-Ausgleich zum 1:1 die Iren in das Achtelfinale. Dort verloren die Spieler von der Grünen Insel gegen Spanien erst im Elfmeterschießen.